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# 01 | 2015 Juli/August

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Die Türkei erlebt

Die Türkei erlebt derzeit einen wirtschaftlichen Aufschwung. Das merkt man beim 10. Antalya-Marathon nicht nur am Bauboom, der die Ferienregion an der türkischen Riviera erfasst hat, sondern auch an der Stimmung der Menschen. „Es gibt Wissenschaftler, die sagen voraus, dass die Türkei in ein paar Jahren dank ihrer jungen, dynamischen und wachsenden Bevölkerung die zweitgrößte Wirtschaftsnation in Europa sein wird“, erklärt Vural Öger, der mit seinem neu gegründeten Reise-Unternehmen „VÖ Travel“ den Antalya-Marathon von Öger Tours übernommen hat, nachdem er seine alte Firma an den Tourismus-Riesen Thomas Cook verkauft hatte. So bleibt der Marathon in der Familie, und Vural Öger gibt wie in den zehn Jahren zuvor das Startsignal und ehrt die Sieger. Seit dem Start 2006 hat sich Antalya verändert. Die über 2000 Jahre alte Altstadt putzt sich immer mehr heraus. Haus um Haus wird saniert, immer mehr Cafés, Restaurants und Kneipen prägen das Bild. Geblieben sind die Händler und Gaukler, die versuchen, Touristen Ramsch anzudrehen oder zweifelhafte Leistungen zu verkaufen. So wie Hassan mit seinen weißen Tauben und Kaninchen. Er fragt mich nach meinem Namen, und schon schnappt eines der Tiere mit seinen Nagezähnen einen Zettel aus einer Box. Auf dem steht eine Prophezeiung. Ich hatte gehofft, etwas zu erfahren, dass ich auf meinen für den nächsten Tag geplanten Halbmarathon beziehen könnte. Aber dann stand auf dem Zettel irgendetwas von einem Fehler, den ich aus Rache zu einer Person begangen hätte, woraufhin ich in eine Gerichtsverhandlung gerate, aus der ich mit Glück herauskomme, und diese Person wird weiter Unglück verursachen. Na ja – als Vorhersage für einen Halbmarathon nur bedingt zu gebrauchen. Da wir auf die Runatolia-Pasta-Party in einem hochmodernen Einkaufszentrum zugunsten des Bummels durch die Altstadt zum Hafen verzichtet haben, plagt uns Hunger. Mit Hakki Akdyman haben wir einen ortskundigen Begleiter. Der 62-Jährige hat viele Jahre lang für die türkische Nachrichtenagentur Anadolu als Korrespondent in Berlin, Frankfurt und Köln gearbeitet und lebt jetzt als Rentner in Antalya. Er spricht perfekt Deutsch und kennt sich bestens aus. Er führt uns aus der Altstadt in einen Hinterhof, in den wir uns ohne ihn nie gewagt hätten. „Hier gibt es das beste Köfte der Stadt“, sagt er und verspricht nicht zu viel. Die Hackfleischbällchen in dem unscheinbaren Restaurant sind genauso köstlich wie der Salat aus weißen Bohnen, Tomaten, Eiern und Petersilie, der mit Sesamöl und Zitronensaft übergossen wird. Piyaz heißt diese Spezialität, nach der unser Wirt Mustafa auch sein ES GIBT WISSENSCHAFTLER, DIE SAGEN VORAUS, DASS DIE TÜRKEI IN EIN PAAR JAHREN DANK IHRER JUN­ GEN, DYNAMISCHEN UND WACHSENDEN BEVÖLKERUNG DIE ZWEITGRÖSSTE WIRTSCHAFTSNATION IN EUROPA SEIN WIRD Restaurant benannt hat: „Sis-Köfte & Piyaz.“ Ob die Bohnen als Kohlenhydrat-Lieferant den im Meldegeld inbegriffenen Nudeln ebenbürtig sind? Auf jeden Fall schmeckt das Ganze besser. Am nächsten Morgen klagt dann vor dem Start ausgerechnet derjenige aus unserer kleinen Reisegruppe über Magenprobleme, der die türkischen Köstlichkeiten in der Stadt verschmäht hat. Alle anderen sind topfit und starten unter dem blauen Himmel auf die Zehn-Kilometer-, Halbmarathon- oder Marathon-Strecke. Alle drei führen uns auf einem Wendepunktkurs immer am Meer entlang – mit faszinierenden Ausblicken über die Bucht von Antalya und das Taurus-Gebirge, das hier mit dem Berg Tahtali eine Höhe von 2365 Metern erreicht. Der Gipfel ist mit einer Seilbahn zu erreichen, dort oben kann man Anfang März noch Skifahren. Nach knapp fünf Kilometern führt die Strecke an einer der wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt vorbei: Das fast 2000 Jahre alte Hadrianstor ist der älteste erhaltene Zugang zur Altstadt von Antalya. Es wurde in den Jahren 131 bis 132 nach Christus errichtet – zu Ehren des römischen Kaisers Hadrian, der auf seinen zahlreichen Reisen im ersten Jahrhundert nach Christus durch das gesamte Imperium Romanum auch Antalya besuchte. Die Stadt hieß damals noch Attaleya und war vor der römischen Herrschaft ein übles Piratennest. Als wir das Tor passieren, haben wir Yilmaz Muharrem längst aus den Augen verloren. Klar, der Deutsch-Türke aus Essen ist ja auch mit dem Ziel gestartet, auf der Marathon-Distanz unter 2:40 Stunden zu bleiben und unter die ersten Drei zu laufen. Wir haben vor, den Halbmarathon als Sightseeing-Strecke zu nutzen. Zeiten sind uns ziemlich egal. Vor dem Start hat sich der Essener ausgiebig Zeit genommen, um von dem internationalen Laufprojekt im Ruhrgebiet zu erzählen. Seit 2006 gibt es das Ayyo-Team, das den Namen einer in Deutschland bekannten Ayran-Marke trägt. Ayran ist ein gesalzenes Joghurt-Getränk, das aus der Türkei stammt. Mittlerweile haben sich über 35 Läufer dem Team angeschlossen, das als Lauftreff in Essen startete. Die Reise zum Antalya-Marathon ist jedes Frühjahr Pflicht. Und mittlerweile gehören dem Team auch so leistungsstarke Läufer wie Yilmaz Muharrem an. Der 44 Jahre alte gelernte Koch kam vor 17 Jahren aus einem Dorf bei Ankara nach Deutschland und arbeitet mittlerweile als kaufmännischer Angestellter bei Ayyo. Er ist stolz auf seine Leistungen, die er sich mit täglichem Lauftraining erarbeitet hat. Aber viel wichtiger ist ihm, dass der Sport die Menschen aus unterschiedlichen Nationen und Kulturen ganz locker zusammenbringt und Integration gelingt. „Wir sind eine große Familie“, sagt er, bevor er sich zum Gruppenfoto mit allen 20 Ayyo-Läufern aufstellt, die für eine Woche an die türkische Riviera gereist sind. Runatolia ist mit 6000 Teilnehmern zwar das zweitgrößte türkische Lauf- Event, aber auch ein Magnet für Läufer aus Nordeuropa, die hier ihre Laufsaison eröffnen, während die Heimat noch fest im Griff des Spätwinters ist. Und das sollen künftig noch mehr werden. Vural Öger spricht von 10.000 Teilnehmern beim Runatolia. „Das ist unser Ziel“, so der Unternehmer, der diesen August wieder in der „Höhle der Löwen“ bei Vox zusammen mit vier anderen Juroren Geschäftsideen von Gründern checkt und diese bei Erfolgsaussichten mit Investitionen unterstützen wird. Sein eigenes Engagement für den Marathon in Antalya wurde bei der Jubiläumsauflage gefeiert – wo sonst sieht man schon nach einem Marathon die Läufer so ausgiebig tanzen? ——— 036 EVENTS & REISEN ER

ANTALYA RUNATOLIA ER Yilmaz Muharrem aus Essen war mit der Multikulti-Lauftruppe „Team Ayyo“ in Antalya und lief in 2:45:56 Stunden auf Rang vier im Marathon Das fast 2000 Jahre alte Hadrianstor ist die wichtigste Sehenswürdigkeit auf der Strecke durch Antalya VURAL ÖGER MARATHONMACHER UND FERNSEH-LÖWE Von 400.000 auf vier Millionen. So ist der Türkei-Tourismus von Anfang der 1980er-Jahre bis heute gewachsen. Während vor 35 Jahren nicht einmal eine halbe Million Deutsche die Reise nach Kleinasien gewagt haben, ist ihre Zahl bis heute auf das Zehnfache gewachsen. Großen Anteil daran hat der Unternehmer Vural Öger, der 1960 aus Ankara zum Studium nach Berlin kam und danach in Deutschland blieb. Mit seinem 1982 gegründeten Reise-Unternehmen „Öger Tours“ machte er die Türkei in Deutschland als Ferienziel groß. Nach dem Verkauf seiner Firma an den Tourismus-Riesen „Thomas Cook“ 2010 gründete er das neue Unternehmen „VÖ Travel“, mit dem er dieses Jahr den Antalya-Marathon unter dem neuen Namen „Runatolia“ veranstaltet hat. Die Idee zu einem Marathon an der türkischen Riviera entstand vor mehr als zehn Jahren, als Vural Öger zusammen mit Uwe und Antje Cizinski, die in Kiel eine kleine Laufveranstaltung organisierten, in einem Fischrestaurant über das Projekt diskutierten. Im kommenden August ist der 72 Jahre alte Vural Öger als einer von fünf Juroren in der zweiten Staffel der Gründer-Show „Die Höhle der Löwen“ bei Vox zu sehen. LAUFEN.DE ——— 037

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# 05 | 2016 September/Oktober