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# 01 | 2016 Januar/Februar

„WENN ICH DRAUSSEN

„WENN ICH DRAUSSEN LAUFE, FÜHLE ICH MICH LEBENDIG. EIN GEILES GEFÜHL.“ „Ich werde nie eine Läuferin werden.“ Das sagte Yvonne zu ihrem Trainer, als sie 2013 anfing Sport zu treiben. Wie man sich doch täuschen kann. Damals ging es ihr eigentlich nur darum abzunehmen. 115 Kilo bei 1,64 Metern Körpergröße schleppte sie mit sich herum. „Ich hatte durch berufliche Belastungen immer weniger Zeit, auf mich zu achten“, blickt Yvonne zurück. „Ich habe Stress mit Essen kompensiert – das kennt wahrscheinlich fast jeder Übergewichtige.“ Ein paar mehr Kilos auf den Rippen zu haben als unbedingt notwendig – das Gefühl kannte Yvonne. „Eine familiäre Vorbelastung für Übergewicht gab es. Ich habe mal mehr gewogen, mal weniger.“ Aber nie so viel wie 2013, als die Arbeit richtig stressig wurde. Yvonne arbeitete damals seit zwei Jahren in Amman, der Hauptstadt Jordaniens. „Teilweise habe ich morgens um sieben Uhr angefangen zu arbeiten und war abends nicht vor neun, zehn Uhr daheim.“ Irgendwann dann die Entscheidung: So kann es nicht weitergehen. „Ich habe gemerkt, das alles tut mir nicht gut, und es tut auch meiner Ehe nicht gut.“ Yvonne will wieder mehr Lebensqualität in ihren Alltag bringen. Und dazu gehört nicht nur, weniger zu arbeiten, auch die überflüssigen Kilos sollen dran glauben. Früher hatte sie mal Fußball gespielt – bis auch hierfür keine Zeit mehr war. An Sportreiben im Freien ist in Jordanien, ein Land, das vielerorts oft einfach aus Steinen und Wüste besteht, aber sowieso nicht zu denken. Einerseits ist es zu heiß, andererseits auch zu gefährlich. „Die Araber legen ein etwas anderes Fahrverhalten mit dem Auto an den Tag als wir Europäer“, erzählt die 38-Jährige schmunzelnd. Sie fackelt trotzdem nicht lange und geht in ein Fitnessstudio, schließt dort einen Vertrag ab. „In den ersten Wochen habe ich versucht, auf eigene Faust zu trainieren. Ich war vor allem auf dem Laufband und Crosstrainer“, erzählt die heute 38-Jährige. „Ich habe aber gemerkt, dass mich das nicht befriedigt. Ich hatte danach nicht das Gefühl, dass ich etwas für mich getan habe.“ Während andere an diesem Punkt vielleicht aufgegeben und es sich auf dem Sofa bequem gemacht hätten, wird Yvonne wieder aktiv. Sie will ihr Leben ändern und nicht in alte Muster zurückfallen. Also sucht sie sich einen Trainer. Mit ihm macht sie fortan dreimal pro Woche ein funktionales Körpertraining und geht zudem noch zweimal pro Woche allein für ein Ausdauertraining ins Studio. Laufen ist zu diesem Zeitpunkt noch Mittel zum Zweck: Die Pfunde sollen damit schmelzen. Und das tun sie auch. Doch dann kommt der Wendepunkt. Eine Freundin aus Berlin erzählt ihr, sie wolle 2016 einen Halbmarathon laufen. „Und da dachte ich: Coole Sache! Jetzt wo ich einige Kilo leichter bin, kann ich das auch machen, dann können wir zusammen laufen. Da habe ich dann so langsam angefangen, mich mehr auf das Laufen zu konzentrieren.“ Yvonne hat von Anfang an Spaß am Laufen. „Aber es hat auf jeden Fall noch an Qualität gewonnen, wenn ich die Chance hatte, draußen zu laufen - und nicht wie in Jordanien auf dem Laufband.“ Wann immer sie in Deutschland ist, schnürt sie die Schuhe und läuft an der frischen Luft, egal bei welchem Wetter. „Das war einfach richtig schön, weil ich mich so lebendig gefühlt habe. Ein geiles Gefühl.“ Der Halbmarathon 2016 steht schon auf dem Plan, als sich Yvonne Anfang 2015 noch ein anderes Ziel setzt. „Wir haben unter Kollegen rumgealbert. Dabei ist die Idee entstanden, im April am Toten Meer beim Ultra-Marathon die 10 Kilometer mitzulaufen.“ Gesagt, getan, angemeldet! Nach einer kurzen Schockstarre, den Schritt wirklich gewagt zu haben, erstellt sie sich am nächsten Tag die ersten Trainingspläne und beginnt, sich gezielt vorzubereiten. Anfang April, nach nur drei Monaten richtigem Training, ist es dann so weit: Yvonne finisht ihren ersten 10-Kilometer-Lauf. „Es war aufregend, spannend. Als ich über die Ziellinie gelaufen bin, war das, als ob ich das, was ich abgenommen hatte, noch einmal verliere. Einfach wegen des Gefühls ‚ja ich habe ——— 034 LÄUFER & LEUTE LL

es geschafft‘. Das war sehr cool.“ Später wird sie sagen: „Aber das Gefühl nach dem Halbmarathon war noch besser.“ Und der kommt viel schneller als gedacht. Denn als ihre Freundin, mit der sie den Halbmarathonstart für 2016 geplant hatte, ihren Umzug ins Ausland im Oktober 2015 ankündigt, verlegt das Lauf-Duo den geplanten Halbmarathon spontan auf August 2015 vor. Kurz vorher, im Juli, zieht Yvonne zurück nach Deutschland, nach Berlin. Und dann stehen sie tatsächlich in Steglitz an der Startlinie und laufen los. Während für ihre Freundin die kurze Vorbereitungszeit nicht gereicht hat und sie vorzeitig aufgeben muss, kämpft sich Yvonne in 2:33:57 Stunden durch. „21 Kilometer zu laufen war für mich vorher völlig abwegig. Aber dann war es einfach nur gigantisch.“ Fortan steht Yvonne regelmäßig auf der Startliste verschiedener Läufe. „Ich hatte Angst, nach Deutschland zu kommen, und nicht mehr die Regelmäßigkeit meines Trainings in Jordanien zu haben. Ich war gespannt, wie ich es weiter kontinuierlich durchziehen kann.“ Erster Schritt: Sie meldet sich bei den „Original Bootcampern“ an, wo sie regelmäßig ein funktionales Training bestreitet. Zweiter Schritt: Alle sechs bis acht Wochen versucht sie, an einem Wettkampf teilzunehmen. „So kann ich mir im Training gar keine Nachlässigkeiten erlauben.“ Und das darf sie erst recht nicht, wenn es mit ihrem nächsten Projekt klappt. „Aus Spaß heraus habe ich mich auch um einen Startplatz für den Berlin-Marathon 2016 beworben“, sagt sie lachend. Und es hat tatsächlich geklappt mit dem Startplatz – Anfang Dezember kam die Zusage. Im November hatte sie vorsorglich schon mit dem Training begonnen. Wenn es dann an die richtig langen Läufe geht, will ihr Mann Johann sie auf dem Fahrrad begleiten. „Er läuft zwar selbst nicht, aber ich nenne ihn immer meinen Edelfan. Er steht bei den Wettkämpfen an der Straße und feuert mich an, macht Fotos und unterstützt mich, wo er nur kann“, kann sie sich glücklich schätzen. Und ihr Mann weiß schon, wieso er das tut. „Er sagt, seitdem ich laufe, sei ich viel ausgelassener. So kennt er mich gar nicht. Ich kann das Leben wieder genießen und nicht nur arbeiten.“ Und nicht nur von ihrem Mann, sondern auch von vielen anderen aus ihrem Umfeld bekommt sie positive Rückmeldungen. „Viele bewundern meine Disziplin, die ich dieses Mal gezeigt habe. Abgenommen hatte ich früher auch schon mal, aber auch schnell wieder zugenommen. Und dass ich jetzt dazu noch regelmäßig Sport mache, finden viele toll, die sich selbst nicht aufraffen können.“ Mit ihren heute rund 79 Kilos blickt Yvonne mittlerweile erschrocken auf die Zeit vor 2013 zurück. „Ich bin fassungslos. Aber irgendwie habe ich das damals nicht so wahrgenommen. Jetzt werde ich alles dafür tun, dass ich da nie wieder hinkomme.“ Und eine kleine Erinnerung, falls der Schweinehund doch mal ruft, trägt sie seit ihrem ersten Halbmarathon mit sich: ein kleines Tattoo am rechten Unterschenkel. „Das Tattoo mit der Läuferin Victoria mit Flügeln und dem Spruch ‚Run and be happy‘ habe ich mir selbst zusammengestellt. Es erinnert mich immer daran, warum ich laufe: Weil es mich glücklich macht.“ Zum Glück hat sie sich also damals ganz gehörig geirrt, als sie sagte, nie eine Läuferin zu werden. Denn das Laufen hat sie beflügelt und ihr eine neue Lebensqualität verliehen. ↳ YVONNES TIPP FÜR EINSTEIGER Genieße das Laufen! Dabei muss man nicht immer der Schnellste sein. Ich laufe manchmal auch in dem Tempo einer Schildkröte, aber immerhin laufe ich. Alles andere ist egal. Man muss nicht immer Erster werden. Hauptsache man hat Spaß daran und läuft. Egal ob man anfängt zu gehen oder Pausen macht, wichtig ist, dass man etwas macht. LAUFEN.DE ——— 035

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# 05 | 2016 September/Oktober