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# 02 | 2015 September/Oktober

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MO FARAH HAT DEN

MO FARAH HAT DEN AFRIKANERN DEN RANG ABGELAUFEN. BEI DEN OLYMPISCHEN SPIELEN IN SEINER HEIMAT LONDON WAR DER JUBEL ÜBER SEINE SIEGE SO GEWALTIG, DASS DIE STADIONMAUERN ZITTER- TEN UND DAS ZIELFOTO VERWACKELTE. WIR HABEN DEN LAUF- STAR TROTZ DOPING- ANSCHULDIGUNGEN GEGEN SEINEN TRAINER ZUM INTERVIEW GETROFFEN. Mo Farah, seit einigen Wochen kursieren Doping-Gerüchte um die Trainingsgruppe von Alberto Salazar. Er betreut auch Sie seit rund vier Jahren. Was sagen Sie dazu? Ich habe in meiner Karriere nie Dopingmittel genommen und werde nie welche nehmen. Ich habe mich Hunderten Doping-Tests unterzogen, alle waren negativ. Ich habe lediglich zwei Trainingskontrollen in meiner gesamten Karriere versäumt. (Anm. d. Red.: Drei „Missed Tests“ innerhalb von 18 Monaten können zu einer zweijährigen Dopingsperre führen.) Wie haben Sie die vergangenen Wochen erlebt? Es waren die härtesten meines Lebens. Die völlig abwegigen Spekulationen haben mich wütend gemacht, frustriert, verärgert. Es ist ein ungemeiner Druck entstanden, der auch meine Familie und speziell meine im fünften Monat schwangere Frau getroffen hat. Haben Sie denn schon mit Alberto Salazar über die Doping-Anschuldigungen gegen ihn gesprochen? Ich wollte Antworten, darum bin ich zu ihm nach Portland geflogen und habe den geplanten Start in Birmingham abgesagt. Er hat mir versichert, dass die Anschuldigungen falsch sind und er bald seine Unschuld beweisen wird. Bis zu diesem Zeitpunkt werde ich die Vorwürfe nicht weiter kommentieren. Das ist Ihr gutes Recht. Wechseln wir das Thema und kommen zu Ihrer sportlichen Entwicklung. Wann haben Sie gespürt, dass ein riesiges Talent in Ihnen schlummert? Das erste Mal habe ich das schon im Kindesalter gespürt. Ich bin ohne Sprachkenntnisse aus Somalia nach London gekommen, dazu war mir die Umgebung fremd. Aber mein Sportlehrer Alan Watkinson erkannte etwas in mir - das Talent, schnell zu laufen. Er hat mich ungemein motiviert und davon überzeugt, dass ich Rennen gewinnen kann. Das war eine ganz wichtige Erfahrung für mich. Schließlich hatte ich in einer ganz neuen Umgebung das Gefühl, eine Sache richtig gut zu beherrschen. Sie sind Doppel-Olympiasieger, -Weltund -Europameister. Was treibt Sie an, weiter jeden Tag hart für den nächsten Erfolg zu arbeiten? Es ist das Streben nach der nächsten Herausforderung. Du kannst immer auf der gleichen Strecke bleiben und versuchen, schneller zu werden. Das ist aber nicht meine Sache. Ich wollte etwas anderes machen und ich habe etwas anderes gemacht: die nächste Herausforderung – den Marathon. Dabei waren Sie nicht immer erfolgreich. Bei den Olympischen Spielen 2008 war für Sie im Vorlauf Endstation. Vier Jahre später haben Sie in London zweimal Olympiagold gewonnen. Was ist in den vier Jahren passiert? Nun, nichts kommt von allein. Du musst hart weiter arbeiten, das habe ich getan. Ich bin nicht mit dem Auto durch die Stadt gefahren, sondern ich war draußen, bin gelaufen und habe versucht, mich ständig zu verbessern. Das Olympia-Aus in Peking war insofern frustrierend, da ich 2007 ein gutes Jahr hatte. Es hat aber noch weitere Jahre gedauert, bis ich die 5000 und die 10.000 Meter auf höchstem Niveau laufen konnte. Das zeigt ganz klar: Außergewöhnliche Leistungen brauchen einfach ihre Zeit. 2016 wird für Sie ein besonderes Jahr. Als Olympiasieger von London nehmen Sie die Vorbereitung für Rio in Angriff. Ist es für Sie eine schwierige Situation, der Gejagte zu sein? Wer als Titelverteidiger antritt, steht immer unter Druck. Aber für mich ist es ein angenehmer Druck. Bei einer doppelten Titelverteidigung ist der natürlich noch deutlich höher. Ich weiß, dass ich nicht ewig Titel und Rennen gewinnen werde. Bis dahin ist die Rolle des Gejagten sehr spannend. Man geht ganz anders in die Rennen hinein, überlegt sich eine andere Strategie als in der Rolle des Jägers. Ich mag dieses Gefühl, es spornt mich an und hilft mir, wachsam zu sein. ——— 026 LÄUFER & LEUTE LL 024-029_laufen.de_mag_2015_02_farah.indd 26 26.06.2015 15:47:04

Neben Medaillen zählen in der Leichtathletik die Rekorde. Sie halten die Europarekorde auf so unterschiedlichen Strecken wie 1500 Meter, 10.000 Meter und Halbmarathon. Auf welchen Rekord sind Sie besonders stolz? Ich möchte keinen herausheben. Jeder einzelne ist auf seine Art besonders. Was nicht zu toppen ist, sind die Olympiasiege im eigenen Land. Das war wirklich ein absoluter Höhepunkt. Für manche Sportler ist es nach solchen Erfolgen schwer, die Motivation zu halten. Glücklicherweise habe ich das geschafft und schaue nach vorn auf neue Herausforderungen. Für Freizeitläufer geht es nicht um Rekorde und Medaillen, sondern um ihre Gesundheit und Spaß an der Bewegung. Können Sie Gründe nennen, warum man unbedingt mit dem Laufen beginnen sollte? Es ist für jeden anders. Für mich geht’s um Wettkämpfe und ums gewinnen. Für Freizeitläufer geht’s darum, etwas für die Gesundheit zu tun, Stress abzubauen und vielleicht die eigene Bestzeit zu steigern. Auch ich bin ab und an nicht gut gelaunt oder angespannt. Dann wirkt ein Dauerlauf Wunder. Nach wenigen Minuten ist der Kopf wieder frei. Darum lieben so viele Menschen das Laufen, weil sie Körper und Geist in Schwung bringen. Für mich ist Laufen der ultimative Ausdauersport. Man braucht keine teure Ausrüstung, nur ein paar anständige Laufschuhe, ein Shirt und eine Hose. Und schon geht’s los! Sie haben zu Beginn des Interviews Ihre Familie angesprochen. Wie gehen Ihre Frau und Ihre Kinder damit um, dass Sie über viele Monate im Jahr nicht zu Hause sind, sondern sich auf Wettkämpfe vorbereiten und Rennen auf der ganzen Welt laufen? Meine Familie unterstützt mich in allen Dingen, dafür danke ich meiner Frau und meinen Kindern sehr. Ich möchte, dass meine Kinder stolz auf mich sind und auf das, was ich mache. Ich möchte für sie ein Vorbild sein – so wie jeder Vater. Aber klar: Es ist schwierig so oft von ihnen getrennt zu sein. Unglaublich schwierig. Wenn ich zu Hause bin, versuche ich, das Versäumte nachzuholen. Mo Farah wurde am 23. März 1983 in Somalia geboren, ist aber in London aufgewachsen. Als Achtjähriger kam er ohne Sprachkenntnisse aus Mogadischu in die englische Metropole. „Als ich damals zu meinem Vater kam, der bereits in London lebte, änderte sich das Leben für mich. Für ihn war es sehr wichtig, dass ich gut in der Schule bin. Ich liebte es, Sport zu treiben und zu laufen. Immer wenn ich zum Laufen ging, fragte mich mein Vater, ob ich schon meine Schularbei- ten gemacht hatte“, erzählte der 32-Jährige einmal. Farahs Talent für die Langstrecken wurde in der Schule entdeckt, von seinem Sportlehrer Alan Watkinson. „Er überzeugte mich davon, mit dem Fußball aufzuhören und stattdessen mit der Leichtathletik zu beginnen. Er brachte mich zum lokalen Leichtathletik-Verein, wo alles begann“, sagte Farah. Seit 2011 trainiert der Brite bei Alberto Salazar im US-Bundesstaat Oregon. Zum „Oregon Project“ zählt u.a. auch Galen Rupp. Der US-Amerikaner gewann 2012 hinter Farah Olympiasilber über 10.000 Meter. 1500 m › 3000 m › 5000 m › 10.000 m › 10 km › Halbmarathon › Marathon › DAS IST MO FARAH Größte Erfolge Olympiasieger sowie amtierender Welt- und Europameister über 5000 und 10.000 m, Weltmeister 5000 m (2011), Europameister 5000 m (2012), Europameister 5000 und 10.000 m (2010) — Bestzeiten: 3:28,81 (2013) 7:33,1 (2015) 12:53,11 (2011) 26:46,57 (2011) 27:44 (2010) 59:32 (2015) 2:08:21 (2014) LAUFEN.DE ——— 027 024-029_laufen.de_mag_2015_02_farah.indd 27 26.06.2015 15:47:05

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# 05 | 2016 September/Oktober