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# 02 | 2015 September/Oktober

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DAS LAUFEN.DE TEAM ...

DAS LAUFEN.DE TEAM ... ... war genauso von Extremen geprägt wie der Dschungellauf. Hier schreiben unsere Redakteurin Alena Staffhorst (27), die auf Dominica ihre ersten Trail-Erfahrungen überhaupt sammelte, und der erfahrene Ultra- und Trailrunner Stefan Schlett (53), der schon auf allen Kontinenten extreme Wettbewerbe bestritten hat, über das gemeinsame Erlebnis, das beide ganz unterschiedlich wahrgenommen haben. Alena Staffhorst Stefan Sechs Viererteams aus Deutschland, den USA, Barbados und Trinidad & Tobago, die beim Trailrunning sowie bei verschiedenen Geschicklichkeitsübungen und diversen Kultur- und Fotowettbewerben um den Sieg kämpfen. Das ist die Nature Island Challenge auf Dominica, einer kleinen, sehr ursprünglichen Insel in der südlichen Karibik, die als Schauplatz des Piraten-Epos' „Fluch der Karibik“ mit Johnny Depp einen gewissen Grad an Berühmtheit erlangt hat. Im laufen.de-Team bin ich allein unter Frauen. Als Hahn im Korb habe ich die delikate Aufgabe, mich mit drei Amazonen durch den Busch zu schlagen. Wie soll ich das bloß überleben? Oder realistischer: Wie sollen Elke, Alena und Elizabeth fünf Tage lang mit so einem Verrückten klarkommen? Eine äußerst sensible Aufgabe, denn ich will die drei Mädels bei ihrem ersten internationalen Großeinsatz ja nicht gleich versauen, zumal wir uns vorher noch nie gesehen haben ... Alena Puh! Mein erstes Event für laufen. de und dann gleich so was: ein viertägiger Trailrun auf Dominica. Weder habe ich es bislang in die Karibik geschafft, noch habe ich mich an einen Lauf gewagt, der nicht ganz gesittet über abgesperrte Straßen führt – eine doppelte Premiere also! Als wäre ich nicht schon nervös genug, komme ich auch noch auf die aberwitzige Idee, Stefan zu googeln: „Stefan Schlett ist einer von zwei Menschen auf der Welt, der drei Kontinente im Wettkampf zu Fuß durchquert hat.“ Okay, der Typ Stefan Schlett scheint fit zu sein. Doch es wird noch besser: „Er ist der erste Läufer, der den höchsten, den tiefsten, den nördlichsten und den südlichsten Marathon gelaufen ist.“ Oha, welch ein Freak!? Ich hoffe, er weiß, dass Elke, Elizabeth und ich „nur“ Hobbysportlerinnen sind. Mein mulmiges Gefühl im Bauch wird auch nicht besser als ich Fotos von ihm sehe. Der drahtige Mann mit dem etwas gebeugten Gang scheint wirklich schon alles gemacht zu haben, was man auf zwei Beinen bewältigen kann. Mir entfährt ein verzweifeltes Lachen. Auf einem Bild ist er sogar nackt. Hmm, vermutlich war das nur eine einmalige Aktion ... Hauptquartier der Truppe ist Fort Young in Dominicas Hauptstadt Roseau. Eine mehr als 300 Jahre alte Festung mit bewegter Geschichte, die Mitte der 60er-Jahre des letzten Jahrhunderts zum Hotel umfunktioniert wurde. Die Teilnehmer werden in verschwenderisch großen Zimmern mit Balkon und Meerblick einquartiert. Das laufen.de-Team nutzt die ersten gemeinsamen Stunden zum Kennenlernen. Denn „Team Green“ ist ein wild zusammengewürfelter Mix aus ganz verschiedenen Charakteren. Elke, mit ihren 52 Jahren auch keine unerfahrene Läuferin, und Elizabeth kennen sich von der Arbeit. Der Rest der Truppe hat sich noch nie zuvor gesehen – geschweige denn zusammen trainiert. Da heißt es erstmal: vorsichtiges Beschnuppern. Besonders Stefan akklimatisiert sich jedoch schnell und kommt ins Plaudern. Nicht selten fangen seine Geschichten mit Sätzen an wie „Damals, im Tal des Todes, als wir 200 Kilometer bei 50 Grad gelaufen sind …“ Er packt einige richtig spannende Stories aus. Doch das scheint nicht das einzige zu sein, das er gern mal auspackt … Stefan ... Direkt aus dem Hotel führt ein Holzsteg über das steinige Ufer ins herrlich tiefblaue Meer, das immer mehr als 25 Grad warm ist. Die „nackte“ Versuchung zu einer täglichen Schwimmeinheit. An solch einem Ort auf den Sprung ins kühle Nass zu verzichten, wäre eine sportliche Todsünde für mich! Nur: Unser Arbeitstag startet am frühen Morgen in der Dunkelheit und endet abends, wenn die Karibiksonne bereits am Horizont verschwunden ist. Um 4:45 Uhr klingelt der Wecker. Vom Zimmer zum Pier ist es nur ein Katzensprung. Ein kurzer Check mit der Taschenlampe, ob nicht irgendein Treibgut im Meer schwimmt oder sich ein Seeigel an die Ausstiegsleiter verirrt hat, dann wird der Bademantel abgestreift. Mit Anlauf geht‘s im Hechtsprung aus drei Metern Höhe in die dunklen und salzigen Fluten. Natürlich nackt – was soll hier eine bescheuerte Badehose? Das gleiche Ritual folgt nachts vor der Bettruhe. Herrlich! Erfrischend! Lebendig! Trotz der frühen Morgenstunden und obwohl sich die Wachmänner des Hotels diskret verhalten, bleibt das seltsame Treiben nicht verborgen. Einige Teams verfolgen erstaunt das tägliche Ritual. Und schon ist mein neuer Spitzname geboren: „Der nackte Deutsche.“... ——— 034 EVENTS & REISEN ER 032-037_laufen.de_mag_2015_02_Nature_Island_Challenge_sta.indd 34 26.06.2015 15:54:26

Alena ... Ich bin einfach nur glücklich. Ich sitze nun hier in der Karibik – selbst nach Sonnenuntergang noch sommerlich-leicht bekleidet – und genieße das Rauschen der Wellen von unserem fast schon unverschämt großen Balkon. Ganz in Gedanken versunken bin ich schon kurz vorm Eindösen, als ich ein lautes Platschen höre. Was war das? Ein Riesen-Fisch? Wale gibt’s hier ja angeblich auch … Aber nein, kurz danach sehe ich Stefan, wie er aus den Fluten auf unseren hoteleigenen Steg emporklettert – nackt! Doch daran gewöhnen wir drei Mädels uns schnell. Verdreht eine von uns die Augen, ist die Antwort auf die Frage „Ist er schon wieder nackt?“ schnell klar… Der Grund dafür ist simpel, wie Stefan nicht müde wird zu erklären: „Es ist EXTREM wichtig, nach einem Lauf so schnell wie möglich aus den nassen Klamotten rauszukommen.“... Das viertägige Trail-Abenteuer fordert den Teams einiges ab: Täglich müssen im Wechsel je zwei Mitglieder eine Strecke zwischen 15 und 20 Kilometern auf dem Waitukubuli National Trail zusammen laufen. Der Trail durchquert auf einer Distanz von 185 Kilometern in 14 Segmenten die gesamte Insel von Süd nach Nord und ist der längste Trail der Karibik. Der Pfad führt durch tiefsten Bergdschungel, knietiefen Morast, endlose Wurzelwege, quert Flüsse und Wasserfälle. Schlamm, Löcher, Stolperfallen, glitschige Baumwurzeln und steilste Kletterpassagen sind allgegenwärtig. Die Luftfeuchtigkeit liegt jenseits von 90 Prozent. Entsprechend hoch ist der Schweißverlust. Eine bizarre, exotische Landschaft, immer grün, immer feucht, immer schwül. Und so ziemlich das brutalste Gelände, in dem man einen Läufer aussetzen kann. Als wäre das noch nicht genug, gehören auch kulturelle Challenges dazu: Vom Schmuck-Herstellen über eine möglichst kreative Yoga-Pose bis hin zu dominicanischen Tänzen bleibt den Teams nichts erspart. Auch eine Kamera ist immer im Gepäck, denn für die ideenreichsten Fotos zu immer wechselnden Themen gibt es Punkte. Doch da ist mal wieder auf Stefan Verlass, der zusammen mit Elizabeth am ersten Tag an den Start geht. Stefan ... Elizabeth, eine aparte, ruhige, sympathische Schwedin, 30 Jahre jung, wurde zu meiner Mitläuferin erkoren. Sie ist zwar eine gute und im Gelände sichere Läuferin, aber noch nie im tropischen Bergregenwald unterwegs gewesen. Und jetzt soll sich das arme Mädchen mit einem Wahnsinnigen, der in den fast 35 Jahren seiner Karriere Tausende von Kilometern in diesem Gelände unterwegs war, im Dschungelkampf bewähren. Dazu kommt noch das Motiv der heutigen Foto-Challenge mit dem Thema „One with Nature“. Eins sein mit Natur und Sport – was passt da besser als ein Trailläufer in freier Natur, so nackt wie ihn der Herrgott erschaffen hat? Das Team ist sich sehr schnell einig: Das probieren wir! Endlich, nach der Hälfte des 20 Kilometer langen Rennens, ist an einem steilen, von Urwaldriesen, Farnen und Gestrüpp eingerahmten Hang der passende Moment gekommen. Das vor uns liegende Team biegt gerade um die Ecke, das nächste haben wir um rund fünf Minuten abgehängt. Schuhe, Socken, Hose, Hemd aus, ein knallroter Camelbak auf den Rücken und im Sturmschritt renne ich den Berg hinauf – was für ein Bild! Trotz des Zeitverlusts: Durch das kreative Fotoshooting arbeiten wir uns vom anfänglich letzten bis auf den zweiten Platz vor... Alena ... Nach dem fulminanten Auftakt der zwei Dschungel-Kämpfer sind es an Tag zwei Elke und ich, die sich durch den dichten Regenwald schlagen müssen. Dass wir nicht die Erfahrung von Stefan haben, zeigt sich schon morgens an unserer Nervosität. An ein nahrhaftes Frühstück, das uns Kraft für unsere Hammer-Aufgabe geben würde, ist nicht zu denken. Selbst die sonst stets gut gelaunte und plappernde Elke sitzt angespannt und ruhig im Bus. Als dann ENDLICH der Startschuss fällt, fällt auch einiges an Anspannung von uns ab. Nach etwa zwei Kilometern, in denen ich nur starr auf den Boden blicke, um bloß keiner Riesen-Baumwurzel, besonders tiefen Matschpfütze und natürlich auch keinem der vielen krabbelnden und kriechenden Urwaldbewohner zum Opfer zu fallen, realisiere ich: Ich bin nun tatsächlich mitten im Regenwald – zum allerersten Mal! Ich nehme mir die Zeit, mich ein wenig umzuschauen: Ich bin umgeben von einer wirklich beeindruckenden grünen Welt. Lianen hängen von den unglaublich hohen und dicht bewachsenen Bäumen hinab. Ein Fluss nach dem anderen – verziert mit zahlreichen Steinen, morschen Holzbrücken und kleinen Wasserfällen – will von uns überquert werden. Kleine Geckos und Krebse huschen an uns vorbei und nicht selten versperrt uns eine Ziege oder Kuh den Weg. Eine Lektion lerne ich gleich nach den ersten Kilometern: Auch wenn es beim Marathon angenehmer sein mag, seine Schuhe etwas lockerer zu schnüren, sollte man beim Trailrun tunlichst darauf verzichten: Denn plötzlich macht es „plopp“ und mein linker Schuh ist komplett im Matsch verschwunden. Elke eilt mir zur Hilfe, zieht meinen mittlerweile nicht mehr blauen, sondern braunen Treter aus dem Matsch und wäscht ihn in einem Fluss. Weiter geht’s! Nach zehn Kilometern fällt es mir zunehmend schwerer, die atemberaubende Landschaft zu genießen. Kommt es mir nur so vor oder geht’s tatsächlich immer nur bergauf? Die Kräfte lassen nach und ich bereue von Schritt zu Schritt mehr, das Frühstück ausgelassen zu haben. Trotz mittlerweile schon bestimmt sechs Litern Wasser, die ich in mich hineingekippt habe, bekomme ich Kopfschmerzen. Elke kämpft mit Krämpfen. Als wir das Ziel dann endlich erreichen – direkt neben den traumhaft-schönen Wasserfällen von Soltoun – und Hand in Hand über die heißersehnte Linie laufen, sind wir unbeschreiblich glücklich. Was für eine grandiose Idee, den Lauf an einem Wasserfall enden zu lassen. Komplett in Klamotten (selbstverständlich nicht nackt!) und sogar mit Schuhen stürzen wir uns in die Fluten. Fünf Tage nach dem ersten Treffen des laufen.de-Teams ist das gemeinsame Abenteuer schon wieder vorbei. Ein wenig sentimental sitzen die vier Läufer am letzten Abend im extravaganten Open-Air-Jacuzzi, blicken den Sternen entgegen und genießen ein letztes Mal die karibische Nacht-Luft. Stefan hat sich – extra für die Mädels – sogar eine Badehose angezogen. Am Ende der Strapazen hat es zum fünften Platz gereicht. Elke und Alena sind froh, die vier Tage ohne bleibende Schäden überstanden zu haben. Elizabeth hat sich mit ihrem Kampfgeist als „Jungle-Queen“ einen Namen gemacht und Stefan geht als „The Naked German“ in die Annalen der Nature Island Challenge ein. Er wurde nicht nur zum Inselgespräch, sondern wie es scheint auch zum Vorbild: Einige wagemutige Team- und Crewmitglieder der Nature Island Challenge stürzen sich am letzten Abend völlig nackt ins karibisch warme Meer. LAUFEN.DE ——— 035 032-037_laufen.de_mag_2015_02_Nature_Island_Challenge_sta.indd 35 26.06.2015 15:54:26

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