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# 02 | 2016 März/April

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MS −➇− Geschichten, die nur der Marathon schreibt: 1908 war das jahr des Dorando pietri Der erste Profi auf dem Londoner Stadtkurs des Olympia- Marathons von 1908 war noch alles in Ordnung für den führenden dorando pietrie. Erst auf den letzten Metern im Olympiastadion brach er zusammen Text: Olaf Kaiser | Foto: Imago New York, 25. November 1908: Der Madison Square Garden, damals größte Sportarena der Welt, ist bis auf den letzten Platz gefüllt. 8000 Zuschauer sind gekommen, um zwei Menschen Marathon laufen zu sehen: Dorando Pietri aus Italien, der bei den Olympischen Spielen jenes Jahres in London den Sieg auf tragische Weise verspielt hatte, und den Amerikaner Johnny Hayes, der von seiner Disqualifikation profitiert und die Goldmedaille zugesprochen bekommen hatte. Beide Fanlager feuern ihre Lieblinge frenetisch an, jeweils unterstützt von einer Blaskapelle, die den Takt vorgibt. Die Atmosphäre in der Arena ist aufgeladen, Ausschreitungen kann die die New Yorker Polizei gerade noch verhindern. Am Ende jubeln die Anhänger von Dorando Pietri. Der kleine Italiener gewinnt das Marathonduell nach 262 Runden mit 70 Metern Vorsprung und sichert sich ein sattes Preisgeld. Die Revanche für Olympia ist geglückt. Dorando Pietri ist Anfang des 20. Jahrhunderts der erste Weltstar des Marathons und vielleicht der erste, der von seinem Sport leben kann. Sein Scheitern beim olympischen Marathon von London macht ihn weltberühmt. Der dortige Olympia-Marathon ist der erste, der über die heute gelaufene Distanz von 42,195 Kilometern ausgetragen wird. Auf Wunsch des britischen Königs, der den Start an seinem Sommersitz erleben will, wird die Strecke gegenüber der klassischen Distanz von Marathon nach Athen (40 Kilometer) um zwei Kilometer verlängert. Bis Kilometer 37 liegt der Südafrikaner Charles Hefferon in Führung, ehe Dorando Pietri an ihm vorbeizieht und das Drama seinen Lauf nimmt. Viel zu früh setzt der Italiener zum Endspurt an, auch weil er fünf Kilometer vor dem Ziel fälschlicherweise glaubt, es seien nur noch 2,5 Kilometer zu laufen, wie Augenzeugen später berichten. Als der 22-Jährige das Olympiastadion erreicht, ist er dem Zusammenbruch nahe. Er taumelt, läuft teilweise in die falsche Richtung, bricht immer wieder zusammen. Für die letzten 355 Meter benötigt der Italiener 9:46,4 Minuten. Als er sich noch 40 Meter vor dem Ziel befindet, erreicht der zweitplatzierte Amerikaner Johnny Hayes das Stadion, der schnell näher kommt. Mit letzter Kraft rettet sich Pietri über die Linie, gestützt von zwei Männern, die ihm unter die Arme greifen und zum Sieg tragen. Weil er sich so hat helfen lassen, wird der Italiener wenige Stunden später disqualifiziert und Hayes zum Gewinner der Goldmedaille erklärt. Dorando Pietri aber ist der Sieger der Herzen. Am Schlusstag der Leichtathletikwettbewerbe gibt sich selbst die englische Königin als Anhängerin Pietris zu erkennen und ruft den Mann mit der Mütze zu sich in die königliche Loge. „Ich habe kein Diplom für Sie“, sagt sie, „keine Medaille, keinen Eichenzweig, die ich Ihnen überreichen könnte. Aber nehmen Sie hier diesen Goldpokal, und ich hoffe, dass sie keine schlechte Erinnerung an unser Land mitnehmen.“ Der dramatische Zieleinlauf bei Olympia und die spektakuläre Revanche wenige Monate später in New York sorgen für weltweite Marathonbegeisterung. Überall in Europa und Nordamerika sorgen Langstreckenläufe für ausverkaufte Arenen. Allein in den sechs Monaten nach dem Rennen im Madison Square Garden geht Dorando Pietri auf seiner US-Tournee 22-mal an den Start, 17 dieser Duelle entscheidet er für sich. Manch eine dieser Veranstaltungen wirkt aus heutiger Sicht eher surreal, so wie jenes Aufeinandertreffen zwischen Pietri und dem Engländer C. W. Gardiner im Dezember 1909 in der Londoner Albert Hall. Die Laufbahn besteht aus Kokosnussmatten und ist gerade einmal 82 Meter lang – die Läufer müssen sie 524 Mal umrunden, begleitet von einem italienischen Tenor, der das Publikum unterhalten sollte. Für die Läufer ein gewöhnungsbedürftiges, aber lukratives Spektakel: Als Dorando Pietri 1911 seine Karriere beendet, hat er in drei Jahren als Profiläufer Preisgeld in Höhe von insgesamt 200.000 Lira eingenommen – für damalige Verhältnisse eine enorme Summe. Von dem Geld eröffnet Pietri zusammen mit seinem Bruder ein Hotel, das allerdings weit weniger gut läuft als er selbst. 1956 stirbt der Italiener, doch er bleibt für immer unvergessen: als der Mann, der den Marathon weltweit salonfähig gemacht hat. 1908 wurde er Bei olympia in london disqualifiziert, nachdem er das ziel als erster erreicht hatte, dabei aber von zwei Männern gestützt wurde. Später wurde der italiener Dorando pietri reich, indem er marathonläufe in amerikanischen sporthallen gewann. ——— 040 Marathon Special Text: Olaf Kaiser | Fotos: Imago Laufen.de ——— 041

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# 05 | 2016 September/Oktober