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# 03 | 2015 November/Dezember

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EINE OLYMPIA-MEDAILLE

EINE OLYMPIA-MEDAILLE BLIEB PAULA RADCLIFFE IN IHRER KARRIERE VERWEHRT. TROTZDEM IST DIE BRITIN FÜR VIELE DIE AUSNAHME- LÄUFERIN DER VER- GANGENEN JAHRZEHNTE. WIR HABEN DIE 41-JÄHRIGE ZUM INTER- VIEW GETROFFEN. ↑ Ihr wichtigster Titel: 2005 wurde Paula Radcliffe in Helsinki Marathon-Weltmeisterin. Dabei hatte die WM gar nicht gut für die Britin begonnen. Acht Tage vor dem Marathon hatte es über 10.000 Meter nur zu Platz neun gereicht, obwohl sie lange das Tempo bestimmt hatte. Darum fiel ihr Lächeln nach dem Goldlauf über 42,195 Kilometer noch strahlender aus. Paula Radcliffe, wollen wir das Interview auf Deutsch oder Englisch führen? Lieber auf Englisch. Dabei sprichst du richtig gut Deutsch. Nach deinem Sprachen-Studium hast du 1994/95 ein rundes Jahr in Düsseldorf gearbeitet. Erst danach wurdest du Profiläuferin und bliebst es bis zum 26. April 2015. Wie hast du dein letztes großes Rennen beim London-Marathon erlebt? Es war eine tolle Erfahrung. Es ist schwer für mich zu verstehen, dass dies das Ende meiner Karriere war. Ich laufe immer noch sehr viel und nehme an ganz unterschiedlichen Laufveranstaltungen teil. Ich wusste aber, dass ich nicht mehr so konkurrenzfähig bin wie in den besten Jahren meiner Karriere. Daher bin ich sehr glücklich, noch einmal die Chance bekommen zu haben, den London-Mara- thon zu laufen. So konnte ich mich beim Publikum für viele tolle Jahre bedanken. Du bist noch einmal 2:36:55 Stunden gelaufen. Hat die Zeit für dich eine Rolle gespielt? Nein, die Zeit war mir nicht wichtig. Ich habe den Lauf genossen und werde diese Momente für immer im Gedächtnis behalten. Nach dem Rennen wurdest du von Prinz Harry für dein sportliches Lebenswerk ausgezeichnet. Wie hast du dich bei der Ehrung vor dem Buckingham Palace zusammen mit deinen Kindern Isla und Raphael gefühlt? Eins vorweg: Für mich war das Besondere beim London-Marathon das Ziel vor dem Buckingham Palace. Es macht das Rennen einzigartig. Die Ehrung war toll, Prinz Harry hat sehr viel mit meiner Tochter gesprochen, das sind Erinnerungen, die ihr niemand nehmen kann. Wenn ich daran denke, muss ich kurz zurückblicken ins Jahr 1997: Damals habe ich in Schottland einen Crosslauf gewonnen, am selben Tag saßen Prinz William und Prinz Harry im Schlossgarten und haben einen Schneemann gebaut. Da waren sie im selben Alter wie meine Kinder jetzt, ein bisschen älter vielleicht. Da hätte ich nicht gedacht, dass ich irgendwann mal mit Prinz Harry spreche. Ich bin glücklich und dankbar, eine so lange Karriere gehabt zu haben. Hast du in deiner Karriere das Rampenlicht wie zuletzt in London geliebt oder eher bewusst gemieden? Das ist eine schwierige Frage. Mein Ziel war es nicht, im Rampenlicht zu stehen, sondern Rennen zu gewinnen und so schnell zu laufen, wie ich konnte. Das Rampenlicht kam dann mit den Erfolgen. Es war nicht immer einfach, aber die Unterstützung des Publikums war toll. London war nicht nur Ort deines Abschieds, sondern auch Ort deines größten Triumphes. 2003 bist du dort mit 2:15:25 Stunden einen Fabelweltrekord gelaufen. War es das perfekte Rennen? Ja! Aber das wurde mir erst später bewusst. Als ich im Ziel war, dachte ich: Du könntest im nächsten Rennen mit einer noch besseren Vorbereitung noch schneller laufen – doch das passierte nie. Deshalb ist es immer wichtig, die Chance bei jedem einzelnen Rennen zu nutzen. Die Vorbereitung auf den London-Marathon 2003 war gut, genauso wie die Renngestaltung und das Wetter. Diese Dinge mussten für den Weltrekord alle zusammenkommen und sie taten es. Ich bin sehr dankbar dafür. Auf den letzten Kilometern habe ich noch einmal alle Kräfte mobilisiert, obwohl ich schon wusste, dass ich den Rekord brechen würde (Anm. d. Red.: Paula Radcliffe verbesserte ihren eigenen Weltrekord von 2:17:18 auf 2:15:25 Stunden.) Aber gerade bei einem Marathon wirst du diese Chance, in Top-Form zu sein wie an diesem Tag, nicht oft haben. Wie lange wird dein Rekord Bestand haben? Man will natürlich nicht, dass er überboten wird, aber irgendwann wird es so weit sein. Rekorde sind da, damit sie gebrochen werden. Es wird eine Frau kommen, die schneller läuft als ich. Vor deiner Marathonkarriere warst du eine der besten Bahn- und Crossläuferinnen der Welt. An welche fünf Rennen erinnerst du dich besonders gern und warum? Ich erinnere mich noch sehr gut an die Europameisterschaften 2002 in München: Ich bin im strömenden Regen mit 30:01,09 Minuten Europarekord über 10.000 Meter gelaufen. Klar wollte ich unter 30 Minuten bleiben, trotzdem war es ein sehr gutes Rennen. Stolz bin ich auch auf die 3000-Meter-Zeit wenige Wochen zuvor in Monaco. Ich hätte niemals damit gerechnet, dass ich 8:22,20 Minuten laufen könnte. Ein wichtiges Rennen war die Cross-WM 1992, als ich den Titel in der U20-Klasse gewonnen habe. Danach war es mein Ziel, auch bei den Frauen zu gewinnen. Ich habe es geschafft, aber ich musste neun Jahre lang warten. Das letzte Rennen, das ich nennen möchte, ist mein erster Marathon 2002 in London. Mit 2:18:56 Stunden habe ich nicht nur gewonnen, sondern war viel schneller als im Vorfeld gedacht. Der Lauf war eine große Motivation für mich und hat meinen Weltrekord ein Jahr später erst ermöglicht. ——— 024 LÄUFER & LEUTE LL

»DER LONDON- MARATHON 2003 WAR DAS PERFEKTE RENNEN« Vom Hochleistungs- zum Freizeitsport: In Deutschland laufen rund 15 Millionen Menschen regelmäßig. Kannst du uns fünf Gründe nennen, warum auch der Rest damit beginnen sollte? Erstens: Laufen macht Spaß und du brauchst nicht viel Equipment, nur ein paar gute Laufschuhe. Zweitens: Laufen ist gut für dich. Du kannst Menschen kennenlernen und hältst dich fit. Drittens: Laufen ist außerdem die Zeit für dich, um runterzukommen und nachzudenken. Viertens: Läufer lernen, zu welchen Leistungen der eigene Körper in der Lage ist. Läufer erreichen in ihrem Leben mehr, ich glaube, sie fühlen sich wacher, um den Tag „anzugreifen“. Fünftens: Laufen kann man allein, mit der Familie oder Freunden. Du kannst für einen Marathon oder einen 5-Kilometer-Lauf trainieren. Diese ganz unterschiedlichen Facetten machen das Laufen so spannend. Zum Schluss musst du uns noch eins verraten: Wie ist Paula Radcliffe zum Laufen gekommen? Ganz ehrlich: Ich kann mich gar nicht an die Zeit erinnern, als ich nicht gelaufen bin. Ich liebe es einfach, draußen zu sein und mich zu bewegen. Klar gibt es Tage, an denen ich zu müde bin, um zu laufen oder mich einfach nicht danach fühle. Aber wenn ich nicht laufe, dann vermisse ich es. Laufen gehört einfach zu mir. STECKBRIEF PAULA RADCLIFFE Geboren am 17. 12. 1973 » Größe: 1,73 m » Gewicht: 54 kg » Studium der Europawissenschaften » ist seit 15 Jahren verheiratet mit Gary Lough (1500-m-Bestzeit: 3:34,76 min) und hat mit ihm zwei Kinder (Isla, 8 Jahre, und Raphael, 5 Jahre) » Arbeitet u.a. bei der BBC als Leichtathletik-Expertin Weltrekorde Marathon 2002 ¬ 2:17:18 Marathon 2003 ¬ 2:15:25* Marathon** 2005 ¬ 2:17:42* 10 km 2003 ¬ 30:21* * Diese Rekorde sind noch heute gültig ** Reines Frauen-Rennen Europarekorde 10.000 m 2002 ¬ 30:01,09 Halbmarathon 2000 ¬ 67:07 Halbmarathon 2001 ¬ 66:47 Marathon 2002 ¬ 2:18:56 Bestzeiten 1500 m 2001 ¬ 4:05,37 3000 m 2001 ¬ 8:22,20 5000 m 2004 ¬ 14:29,11 10.000 m 2002 ¬ 30:01,09 10 km 2003 ¬ 30:21 Halbmarathon 2003 ¬ 65:40 Marathon 2003 ¬ 2:15:25 Marathon* 2005 ¬ 2:17:42 * Reines Frauen-Rennen Größte Erfolge Marathon-Weltmeisterin 2005 Halbmarathon-Weltmeisterin 2000 und 2001 Crosslauf-Weltmeisterin 2001 und 2002 Europameisterin 10.000 m 2002 Crosslauf-Europameisterin 2002 und 2003 4. Olympische Spiele 10.000 m 2000 5. Olympische Spiele 5000 m 1996 4. WM 5000 m (1997), 4. WM 10.000 m (2001), 5. WM 5000 m (1995), 7. WM 3000 m (1993) Acht Siege bei 13 Marathon-Starts LAUFEN.DE ——— 025

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# 05 | 2016 September/Oktober