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# 03 | 2015 November/Dezember

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Die Sonne in Chamonix

Die Sonne in Chamonix ist längst untergegangen. Da durchschneidet der grelle Lichtstrahl von sechs Stirnlampen die pechschwarze Nacht. Zu spät: Das Team Nordeuropa hat am längsten Tag des Jahres das Rennen gegen die Sonne schon vor rund anderthalb Stunden verloren. 15:41 Stunden hatten sie wie vier andere Teams von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang Zeit, den 4810 Meter hohen Mont Blanc schneller als die Sonne zu umrunden. Wie „Verlierer“ sehen die sechs Staffelläufer mit Schlussmann Finn Vogler allerdings nicht aus. Ganz im Gegenteil: Gemeinsam legen sie am 21. Juni die letzten Meter von 150 Kilometern im Ortskern der französischen Stadt am Fuße des Mont Blanc zurück. Im Ziel folgt Jubel pur. Die Amateure Finn Vogler (Hamburg), Charlotte Love (Großbritannien) und Benjamin Druml (Österreich) sowie die Lauf-Profis Lukas Naegele (Freiburg), Holly Rush (Großbritannien) und Christian Schiester (Österreich) liegen sich in den Armen. Sie haben bei „Asics Beat The Sun“ zwar das Rennen gegen die Sonne verloren, aber Respekt vor der Leistung der Mitläufer und der Natur gewonnen. Gleichzeitig waren sie Teil eines einzigartigen Ultra-Laufs, der Sportler in fünf Kontinentalteams mit ganz unterschiedlichem Leistungsniveau verbindet und schon allein in Sachen Logistik mit zwölf Wechselpunkten in drei Ländern Maßstäbe setzt. Ohnehin ging’s bei der zweiten Auflage des Rennens um den Mont Blanc (rund 150 Kilometer und 8000 Höhenmeter) nicht ums Gewinnen. Das hatte am Tag vor dem Rennen Michael Price, Asics Marketing Direktor Europa, betont: „Wir wollen etwas ganz Besonderes auf die Beine stellen. Ein Event, wo es nicht um die Zeit oder das Duell Mann gegen Mann geht. Vielmehr wollen wir die Menschen fürs Laufen inspirieren. Dafür ist der Mont Blanc genau der richtige Ort.“ Für einen Startplatz in einem der fünf Sechserteams mit je drei Freizeit- und Profiläufern hatten sich rund 10.000 Läufer beworben. Ein Beweis, welche Faszination das Laufen in den Alpen und speziell das Umrunden des höchsten Alpen-Gipfels ausübt. Und das auch vor und während des Rennens. Bei der Online-Community Strava stellten sich knapp 30.000 Läufer einer Spezial-Challenge zu „Asics Beat The Sun“. Es ging darum, in den drei Wochen vor dem Rennen mindestens 150 Kilometer zu laufen – also genauso weit wie am Mont Blanc. Der fleißigste „Kilometerfresser“ kam aus Japan und spulte nicht weniger als 730 Kilometer in drei Wochen ab! Chamonix, 5:44 Uhr am Morgen: Als der Startschuss ertönt, liegen die meisten noch in den Federn. 13 Etappen liegen vor den Läufern, jeder ist also zwei- oder dreimal an der Reihe und muss unterschiedlichstes Terrain meistern. Von schnellen Straßenpassagen über heftige Anstiege mit 650 Höhenmetern auf drei Kilometern bis hin zu einer 19 Kilometer langen Alpin-Etappe auf bis zu 2700 Metern Höhe. Vom Start weg feuern sich die Läufer gegenseitig an, man kann den Teamgeist regelrecht greifen, der die einzelnen Staffeln in den Tagen von Chamonix zusammenschweißt. Nach rund acht Rennstunden setzen sich zwei Teams an der Spitze ab: Südeuropa und Amerika. Sie laufen aber nicht gegen-, sondern miteinander. Auf der zehnten Etappe schiebt Genis Zapater (Spanien) förmlich den Brasilianer Iaza Feitoza zum Wechselpunkt am malerischen Lac Champex in der Schweiz. Zehn Minuten später übernimmt der – von der Papierform – schnellste Läufer für Afrika den Staffelstab in Form eines GPS-Transponders am Oberarm. Duncan Kiptanui weist eine Halbmarathon-Bestzeit von 62 Minuten auf. Nutzen sollte das dem Kenianer auf den folgenden 19 Kilometern mit rund 2100 Höhenmetern nicht. Eine gute Stunde verliert er auf die Spitze! „Die Höhe ist kein Problem. Das ist wie in Kenia, nur mit Eis“, hatte er noch am Tag vor dem Rennen gescherzt. Das sollte er nach dem Rennen ganz anders sehen … Dass man in den ganz anspruchsvollen Passagen keinen Ultra-Trail gewinnen, sehr wohl aber verlieren kann, muss auch das Team um Finn Vogler erfahren. Er beendet die sechste Etappe nach Courmayeur (Italien) mit einer riesigen Blase unter dem rechten Fuß (siehe Interview). Auf der zehnten Etappe verläuft sich Holly Rush und verliert viele Minuten, ähnlich ergeht es Christian Schiester auf dem elften Abschnitt. Damit sind sie in prominenter Gesellschaft. Denn auch Pete Jacobs (Australien) kämpft mit den Tücken der Strecke. „Die Bergabpassagen haben meine Beine komplett zerstört. Die vier Kilometer bergauf musste ich gehen, fast die ganze Zeit“, sagt der Ironman-Weltmeister von 2012. In Champex lief der Triathlon-Profi sichtlich mitgenommen zum Wechselpunkt, erholt sich wie alle anderen aber wieder schnell. „Trotzdem sind meine Beine müder als nach einem Ironman“, gab Jacobs zu. Bis zur Schlussetappe läuft Team Amerika einen mehrminütigen Vorsprung auf das Sextett aus Südeuropa hinaus. Doch der kurzfristig für die verletze Italienerin Virginia Nanni eingesprungene Ersatzläufer Andre van Dorp (Niederlande) verkürzt den Rückstand Meter um Meter. Ganz aufholen kann er ihn bis ins Ziel im Zentrum von Chamonix aber nicht mehr. Nach 150 Kilometern trennen die beiden Teams nur vier Sekunden, das Ziel erreichen beide 38 Minuten vor dem Sonnenuntergang. Ein spektakuläres Finale vor einer imposanten Bergkulisse. Die kann das Team Nordeuropa mit Finn Vogler mehr als zwei Stunden später im Schein ihrer Stirnlampen nur noch erahnen. SO ERLEBTE DER HAMBURGER HOBBY- LÄUFER FINN VOGLER DAS RENNEN → 1 Finn Vogler, du durftest bei „Asics Beat The Sun“ die Schlussetappe nach Chamonix laufen. Was hast du dabei gefühlt, wie hast du die finalen 12 von 150 Kilometern erlebt? Es war großartig, einfach nur großartig. Ich habe die Lichter gesehen, die laute Musik gehört. Das hat mich unheimlich gepuscht, obwohl wir es ja nicht mehr vor Sonnenuntergang ins Ziel geschafft haben. Ein Extra-Dank geht an meinen Begleiter. Es war das erste Mal, dass ich im Dunkeln mit Stirnlampe gelaufen bin – und das auf einem Downhill-Trail. Er hat mir immer angezeigt, wo es langgeht. Das hat mir Sicherheit gegeben. Mit dem Team über die Ziellinie zu laufen und zusammen zu feiern, das erlebt man wahrscheinlich nur einmal im Leben. Dabei war es ja gar nicht klar, ob du überhaupt rennen können würdest. Auf deiner ersten Etappe hast du dir eine böse Blase an der Ferse geholt. Wie heftig war der Schmerz? Der war noch da, richtig gestört hat er mich aber nicht. Der Fuß war ordentlich getaped, das war wichtig. Ich wollte unbedingt als Schlussläufer mit dem Team ins Ziel rennen. Es war eine absolut einzigartige Erfahrung, von der ich mit Sicherheit noch meinen Kindern erzählen werden – wenn es irgendwann so weit ist (lacht). Die Tage in Chamonix waren noch mehr als nur das Rennen um den Mont Blanc. Wie hast du die Zeit erlebt? Es waren absolut aufregende Tage. Ich konnte mir viel von den Profiläufern abschauen. Dazu kamen die Filmaufnahmen und vielen Interviews. Das alles hat mir einen riesigen Spaß gemacht – nur das Laufen macht mir noch mehr Spaß. ——— 028 EVENTS & REISEN ER

Berge sind nicht gleich Berge: Das musste Duncan Kiptanui erfahren. Der Cousin von Hindernis-Legende Moses Kiptanui verlor auf der Königsetappe eine knappe Stunde → 1 Ein Hamburger im Hochgebirge: Finn Vogler war der einzige deutsche Amateur beim Lauf-Abenteuer am Mont Blanc. Er ist sich sicher: „Davon werde ich noch meinen Kindern erzählen — wenn es irgendwann mal so weit ist.“ LAUFEN.DE ——— 029

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# 05 | 2016 September/Oktober