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# 03 | 2015 November/Dezember

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- ↳ IST DÄMPFUNG

- ↳ IST DÄMPFUNG WIRKLICH WENI- GER WICHTIG? UND FÜHRUNG SOGAR OUT? JOACHIM SAUKEL GIBT ANTWORTEN AUF DIE WICHTIGS- TEN FRAGEN ZUM LAUFSCHUHKAUF. EXPERTE JOACHIM SAUKEL Joachim Saukel ist Inhaber von Laufsport Saukel in Kempten und Bewegungsanalytiker im hauseigenen Lauflabor. „Wir sind Teil der Lex-Laufexperten und innerhalb unseres Einkaufsverbundes Sport 2000 Teil der Lauf-Profis“, sagt Saukel. Beide Gruppen bieten beste Beratung und ein umfangreiches Sortiment. Früher waren Schuhe da, um Läufer bei Bedarf zu korrigieren. Vor allem die sogenannte Überpronation sollte eingeschränkt werden. Warum wird die Stütze im Schuh immer unwichtiger? Moderne Laufschuhe werden immer stärker nach modernen Erkenntnissen der Biomechanik konzipiert. Das wirkt sich häufig so positiv auf den Bewegungsablauf und damit auf die Pronationsbewegung aus, dass eine Pronationsstütze – also ein härteres Material im Bereich der Mittelsohle – häufig nicht mehr notwendig ist. Mittlerweile stellen sich sogenannte neutrale Schuhmodelle besser in der Laufanalyse dar als bisherige Stabilschuhe. Aus diesem Grund werden heute auch mehr Neutralschuhe verkauft, als das noch vor ein paar Jahren der Fall war. Mittlerweile gilt: Der Schuh soll sich dem Laufstil seines Trägers optimal anpassen. Wie funktioniert das? Es gibt unterschiedliche Laufstile – im Kern sind das der Fersen-, Vorfuß- und der Mittelfußlaufstil. Je nachdem, welchen Laufstil ich bevorzuge, setze ich den Fuß und damit den Schuh im ersten Bodenkontakt an einer anderen Stelle auf. Dementsprechend muss sich das gewählte Schuhmodell biomechanisch anpassen. Das funktioniert beispielsweise durch unterschiedlich angebrachte Flexkerben an der Außensohle und durch eine entsprechende Geometrie der Zwischensohle. Manche Hersteller entkoppeln die Ferse oder segmentieren die Sohle des Schuhs. Die Kunst des Laufschuhberaters liegt nun darin, den richtigen Schuh für den entsprechenden Laufstil zu finden und nicht den Laufstil dem Schuh anzupassen. Dabei ist eine gut durchgeführte Laufbandanalyse (am besten von hinten unter Einbeziehung der Hüfte) in Kombination mit einer zweiten Kamera von der Seite sehr hilfreich. Mit dieser Methode erreiche ich das beste Ergebnis. In der Bewegungsund Laufstilanalyse bevorzugen wir den „Mittelfußlaufstil“ – also einen flachen Fußaufsatz. Es hat jedoch keinen Sinn, seinen persönlichen Stil umzustellen, wenn der Läufer keinerlei verletzungsbedingte Probleme hat. Neue Studien zeigen, dass Dämpfung keinen Einfluss auf die Verletzungshäufigkeit hat. Wozu braucht ein Laufschuh überhaupt Dämpfung? Entscheidend ist das richtige Maß an Dämpfung. Noch vor zwei bis drei Jahren haben viele Läufer auf Schuhe mit null Dämpfung gesetzt, sogenannte Barfußschuhe. Dieselben Läufer sind heute in Schuhen mit extrem dicken Sohlen und damit extremer Dämpfung unterwegs – oder orientieren sich mittlerweile wieder an einem gesunden Mittelmaß. Manche bevorzugen einen sehr weichen Schuh, wieder andere einen direkteren, härteren Schuh. Häufig entscheidet das Lauftempo über das Maß an Dämpfung – der schnelle Läufer zieht meist ein härteres Modell vor. Der Läufertyp ist das Entscheidende. Andere Studien haben übrigens ergeben, dass eine Dämpfung möglichst nah am Fuß – zum Beispiel durch eine Einlegesohle – sehr wohl einen entscheidenden Faktor auf die Verletzungshäufigkeit bei Läufern hat. Richtig ist, was dem Läufer guttut. Wenn Einlagen die Verletzungshäufigkeit reduzieren können – wie finde ich die passende Einlage? Das Interessante daran ist, dass in dieser Studie herausgefunden wurde, dass die Art der Einlegesohle (ob härter oder weicher), welche die Probanden als am komfortabelsten empfunden haben, individuell völlig unterschiedlich ausgefallen ——— 050 EQUIPMENT & MODE EM

ist. Jedoch hat sich die jeweils individuell am angenehmsten empfundene Sohle am positivsten in Bezug auf die Verletzungshäufigkeit ausgewirkt. Das heißt: ausprobieren und testen. Grundsätzlich gilt: Eine Einlegesohle – egal ob maßangefertigt oder eine handelsübliche – muss immer eine Komfortverbesserung darstellen. Warum ist der komfortabelste Schuh der beste für mich? Und: Für wen gilt das überhaupt? Die Studie von Professor Benno Nigg hat gezeigt, dass das subjektive Fußgefühl des Läufers ein entscheidender Faktor ist, dessen Berücksichtigung die Verletzungsund Beschwerdehäufigkeit um bis zu 50 Prozent reduzieren kann. In der Praxis heißt das: Einen Schuh, den der Läufer als nicht komfortabel empfindet, sollte er bei der Auswahl außen vor lassen. In unserer Beratung kristallisieren sich häufig am Ende zwei Modelle als die geeigneten heraus. Die richtige Entscheidung ist dann, auf das komfortabelste Modell zu setzen. Man sollte den Kunden nicht als Patienten betrachten, sondern vielmehr zum Beispiel nach seinem Lieblingsschuh in der Vergangenheit fragen – denn mit diesem hatte der Kunde ganz bestimmt keine Schwierigkeiten. Einer der wichtigsten Leitsätze bleibt: „If there is no problem, don’t fix it.“ Wo sich kein Problem darstellt, sollte auch nichts korrigiert werden. Laufschuhe sollen den Läufer unterstützen, sich so zu bewegen, wie es der Körper möchte. Welcher Schuh kann das überhaupt? Der „preferred movement path“, also der bevorzugte Bewegungsablauf des Gelenks, bleibt nach den Untersuchungen von Professor Nigg immer gleich. Nach dieser These darf ein guter Laufschuh nicht entgegenwirken, sondern soll dem Fuß diese Freiheit lassen. In der Praxis der Laufschuhberatung hat sich gezeigt, dass eine fundierte Laufbandanalyse unter Berücksichtigung der Beinachse (Hüfte abwärts) und der Knierotation mit einem anschließenden Test auf normalen Untergrund vor dem Laden oder auf einer Laufstrecke im Geschäft die besten Ergebnisse zeigt. So werden alle Parameter und vor allem auch das so wichtige subjektive Empfinden des Läufers berücksichtigt. Hersteller wie Brooks mit dem Transcend oder die noch relativ junge Schweizer Firma On setzen ganz gezielt auf die Berücksichtigung des „preferred movement path“. Wichtige Faktoren sind aber nach wie vor die Fußform und das Gewicht des Läufers. Ich stelle aber auch die Frage: Warum soll ein Läufer, der seit Jahren mit einem Stabilschuh sehr gut und problemfrei läuft, auf einmal etwas ändern? Die beste Beratung gibt es im Fachgeschäft. Was muss ich mitbringen, damit ich am Ende mit dem für mich optimalen Schuh nach Hause gehe? Alle vorherigen Punkte und Argumente machen deutlich, dass man beim Laufschuhkauf nicht am Fachgeschäft vorbeikommt. Der Kunde sollte auf jeden Fall etwas Zeit mitbringen, um so die volle Aufmerksamkeit des Beraters genießen zu können. Am besten bringt er seine alten, oder noch besser seinen bisherigen Lieblingsschuh, mit. So kann der Verkäufer Rückschlüsse auf Laufstil und Laufverhalten ziehen. Ein gutes Fachgeschäft hat ausreichend Testsocken zur Anprobe zur Verfügung. Wenn der Kunde oder die Kundin eine bevorzugte Lieblingssocke hat, dann sollte er auch diese dabei haben. Interview: Norbert Hensen WENIGER DÄMPFUNG IST MEHR An der Wahl des richtigen Laufschuhs ist jeder Läufer interessiert. Sollte es auch. Geht es doch darum, den idealen Laufpartner für seine Füße zu finden. Der ideale Schuh soll auch vor Verletzungen schützen. „Kann er aber nicht“, sagte Professor Benno Nigg von der University of Calgary (Kanada) bei seinem spannenden Vortrag auf dem diesjährigen Laufschuhsymposium im Rahmen der ISPO in München. Der Wissenschaftler berichtete von Studien, die belegen, dass sowohl das Ausmaß der Pronation – also das Nach-Innen-Knicken des Fußes – wie auch die Dämpfung eines Laufschuhs nur wenig mit der Häufigkeit von Laufverletzungen zu tun haben. Das ist nicht ganz neu. Auch der deutsche Biomechaniker Prof. Dr. Gert-Peter Brüggemann hat bereits ähnliche Vorträge gehalten. Auch er ist der Meinung, dass das Thema Überpronation in der Vergangenheit eine zu große Rolle in der Laufschuhentwicklung und -beratung gespielt habe. Aber was sind dann die entscheidenden Kriterien? Die angesehen Wissenschaftler sind sich relativ einig. Es sind vor allem die individuellen Bewegungsmuster und damit Belastungen von Muskeln und Gelenken, die Verletzungen auslösen können. Zum Beispiel, indem hohe innere Kräfte oder eine ungünstige Druckverteilung entstehen. Und was heißt das für uns Läufer? Wir benötigen einen Laufschuh, der möglichst komfortabel ist und unser Bewegungsmuster unterstützt. Prof. Nigg: „Der beste Laufschuh für einen Läufer ist der, der den bevorzugten Bewegungsablauf des Läufers zulässt.“ LAUFEN.DE ——— 051

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