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# 03 | 2016 Mai/Juni

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↘ KILIAN JORNET IM

↘ KILIAN JORNET IM INTERVIEW laufen.de Kilian, da gibt es eine Geschichte über dich, von der wir gern wüssten, ob sie stimmt: Du sollst einen Tag vor dem Start des UTMB – einem Rennen rund um den Mont Blanc über 170 Kilometer und insgesamt über 9000 Höhenmeter, das du dreimal gewonnen hast – einfach mal so von Chamonix auf den Gipfel des Mont Blanc gelaufen sein. Das ist mit 4810 Metern immerhin der höchste Berg der Alpen. Kilian Jornet Ja, das stimmt, aber es war nicht am Tag vor dem Start, sondern zwei Tage davor. Ich liebe es einfach, auf diesen Berg zu laufen. Den Rekord für die Mont Blanc-Besteigung hat Kilian Jornet drei Jahre später aufgestellt. In nur 4:57 Stunden hat er die 3800 Höhenmeter von Chamonix auf den Gipfel bewältigt. Normale Bergsteiger brauchen für die Mont Blanc-Besteigung zwölf Stunden. Und die brechen nicht im nur 1035 Meter hoch gelegenen Chamonix auf, sondern von Hütten, die in Regionen weit über 3000 Meter liegen. Das war der Beginn des Projektes „Summits of my Life“, bei dem Kilian Jornet die höchsten Gipfel aller Kontinente in Rekordzeit bezwingen will. laufen.de Wie ist die Idee zu „Summits of my Life“ entstanden? Kilian Jornet Das war 2013, als es im Trailrunning kaum noch neue Ziele gab, die ich mir setzen konnte. Ich hatte alles erreicht, was ich wollte, und brauchte eine neue Herausforderung, die mich motiviert. In meiner Familie haben alle einen alpinistischen Hintergrund. Mein Vater ist Bergführer. Unsere Idole waren immer Menschen wie Reinhold Messner, deren Bücher ich schon als Kind verschlungen habe, sodass ich die Geschichte der legendären Berge ganz genau kenne. laufen.de Fühlst du dich denn noch als Trailläufer oder bist du jetzt ganz Bergsteiger? Kilian Jornet Ich habe mich noch nie als Trailrunner oder Bergsteiger gefühlt. Das sind für mich Schubladen, die nicht passen. Wir sind Menschen und wollen die Natur aktiv erleben. Darum geht es. Beim Trailrunning, beim Bergsteigen, auf Skitouren, aber auch beim ganz normalen Laufen im Wald. Ich liebe es einfach, mich in den Bergen zu bewegen. Trailrunning, Bergsteigen, Skitouren – das sind alles nur verschiedene Möglichkeiten sich in den Bergen zu bewegen. laufen.de Aber warum muss das auch noch so schnell wie möglich passieren? Und am besten schneller als es irgendwer zuvor getan hat? Kilian Jornet Indem ich das so schnell wie möglich tue, erkunde ich nicht nur die äußere Welt mit den Bergen, Gipfeln, Gletschern und Tälern, sondern auch mein Inneres. Und das ist meine Motivation. Ich lerne mich selbst immer besser kennen. Dass ich dabei schneller als alle anderen bin, interessiert mich gar nicht so richtig. Das hat sich irgendwie ergeben. laufen.de Empfindest du die Natur dabei als freundlich, oder kann der Berg auch zum Feind werden? Kilian Jornet Weder noch. Die Berge und das Wetter sind einfach da. Sie sind nicht in menschlich-moralische Kategorien wie gut oder böse einzuordnen. Ich muss dafür sorgen, dass ich in dieser Umgebung gute Momente habe. Und umgekehrt alles dafür tun, dass mich die Natur nicht verletzt oder umbringt. Das gelingt nur mit Erfahrung. Es ist wichtig, Respekt und Furcht zu haben, bescheiden zu sein. laufen.de Gibt es denn Gipfel, zu denen du eine besondere Beziehung hast, die du mehr liebst als andere? Kilian Jornet Das ist immer der Berg, den ich am nächsten Tag besteigen werde. laufen.de Flache Strecken zu laufen, kommt für dich – auch im Training – gar nicht in Frage, oder? Kilian Jornet Manchmal muss ich natürlich auch auf der Straße laufen – wenn ich auf dem Weg von einem Gipfel zum nächsten ein Tal durchqueren muss. Aber normalerweise laufe ich nicht öfter als dreimal im Jahr längere, flache Strecken. laufen.de Einen Marathon auf der Straße bis du also auch noch nie gelaufen. Kilian Jornet Stimmt, ich bin halt in den Bergen aufgewachsen, das ist meine Welt. Das Laufen im Hochgebirge ist viel technischer als auf der Straße, das liegt mir besser. laufen.de Das gilt ja gerade auch für die Bergab-Passagen. Wie wird man ein guter Downhill-Läufer? Kilian Jornet Indem man bergab läuft. Das ist der einzige Weg, das zu trainieren. laufen.de Wie viele Stunden am Tag trainierst du? Kilian Jornet Ich habe keinen Plan und keinen Trainer, aber ich schreibe immer auf, was ich trainiert habe. Und ich achte immer darauf, wie ich mich fühle und bin sehr flexibel. Aber ich trainiere schon jede Woche zwischen 20 und 35 Stunden. Also zwischen drei und fünf Stunden jeden Tag. ↘ KILIAN JORNET DIE GIPFELREKORDE 6962 METER ACONCAGUA Der höchste Berg in Südamerika in 12 Stunden und 49 Minuten (2014) DENALI 6190 METER Der höchste Berg in Nordamerika (hieß bis 2015 Mount McKinley) in 11 Stunden und 48 Minuten (2014) 4810 METER 4478 METER 5895 METER KILIMANDSCHARO Der höchste Berg in Afrika in 5 Stunden und 22 Minuten (2010) MONT BLANC Der höchste Berg der Alpen (und Europas, wenn man den 5642 Meter hohen russischen Elbrus Asien zuordnet) in 4 Stunden und 57 Minuten (2013) MATTERHORN Einer der bekanntesten und schönsten Gipfel der Welt in 2 Stunden und 52 Minuten (2013) SUMMITS OF MY LIFE IST EIN PROJEKT VON KILIAN JORNET & SALOMON ——— 024 LÄUFER & LEUTE LL 022-027_laufen.de_mag_2016_03_jornet.indd 24 27.04.2016 15:57:13

↘ KILIAN JORNET IM INTERVIEW KATASTROPHE IM HIMALAYA Im vergangenen Jahr wollte Kilian Jornet den Mount Everest besteigen – und zwar schneller als alle Bergsteiger zuvor. Der mit 8848 Metern höchste Berg der Welt ist der letzte Gipfel, der ihm in seinem Projekt „Summits of my Life“ noch fehlt. Von 2012 bis 2014 hat der Spanier mit dem Montblanc (Frankreich/4810 m), dem Matterhorn (Schweiz/4478 m), dem Elbrus (Russland/5642 m), dem Denali (früher Mount McKinley, USA/6190 m) und dem Aconcagua (Argentinien/6962 m) die höchsten und den wohl schönsten Gipfel aller Kontinente in Rekordzeiten bezwungen. Der Mount Everest sollte im Mai 2015 folgen. Doch zwei Tage vor dem geplanten Abflug des Teams, zu dem neben Kilian Jornet der Alpinist Jordi Tosas und der Filmemacher Sébastien Montaz-Rosset gehören, bebte die Erde am 25. April in Nepal katastrophal. Fast 9000 Menschen starben, darunter auch zahlreiche Bergsteiger, die auf den Mount Everest wollten. Das Basislager wurde durch eine Lawine zerstört. Eine Besteigung des höchsten Berges der Welt war unmöglich. Kilian Jornet und sein Team entschieden sich, dennoch nach Kathmandu zu reisen. Nicht um neue Rekorde aufzustellen und per Film zu dokumentieren, sondern um anzupacken und zu helfen. Über die 20 Tage lange Hilfsaktion haben die drei einen Film gemacht, der mit zum Teil verstörenden Bildern zeigt, wie die Katastrophe das nepalesische Volk getroffen hat. Besonders im Langtang-Tal, nach dem der Film benannt ist. laufen.de Einige der völlig zerstörten Dörfer habt ihr als erste Helfer erreicht, weil sie nur zu Fuß erreichbar waren. Im Film sagt eine junge Frau zu euch: „Fotografiert alle, die tot sind.“ Sie wollte Gewissheit haben. Und ihr habt die Leichen fotografiert und die GPS-Daten des Fundorts notiert. Das muss eine grausame Erfahrung gewesen sein … Kilian Jornet … natürlich. Aber es war nicht meine erste Begegnung mit dem Tod in den Bergen. Ich habe zuvor auch schon Unfälle erlebt, bei denen Freunde ums Leben gekommen sind. Und es ist ein großer Unterschied, ob du die Leiche eines Freundes findest oder die eines dir unbekannten Menschen. Bei einer so großen Katastrophe empfindet man vor Ort gar nicht so viel. Man arbeitet, um zu helfen. Was da passiert ist, habe ich erst zu Hause realisiert. laufen.de Wer hat euch eigentlich gesagt, wie ihr eure speziellen Fähigkeiten als Trailläufer und Bergsteiger beim Helfen nach dem Erdbeben einsetzen ↘ NEPAL LANGTANG-TAL könnt? Man kommt ja nicht einfach in einem zerstörten fremden Land an und weiß, was zu tun ist. Kilian Jornet So fremd war das Land für uns ja nicht, weil wir Jordi dabei hatten, der schon 28-mal in Nepal war, sich sehr gut auskennt und viele Freunde hat. Mit denen hat er gesprochen und herausgefunden, dass die Situation gerade im Langtang-Tal besonders schlimm war. Wir haben am Anfang in Kathmandu mitangepackt und Trümmer weggeräumt, aber schnell gemerkt, dass das alle anderen auch können. Deshalb haben wir uns überlegt, dass wir am besten helfen können, indem wir in die Bergdörfer gehen, die wegen der zerstörten Straßen nur noch zu Fuß erreichbar waren. Es gab ja viel zu wenige Hubschrauber und so haben wir das getan, was wir als Bergsteiger und Trailläufer können: uns durch unwegsames Gelände zu den Dörfern vorgearbeitet und den Hilfsorganisationen Lageberichte gegeben, damit dort die richtigen Maßnahmen eingeleitet werden können. CHI NA laufen.de Was hast du empfunden, als du nach der Ankunft die Zerstörung in Kathmandu gesehen hast? Im Film ist zu sehen, wie ihr panisch aus einem Haus rennt, weil die Erde schon wieder bebt ... Kilian Jornet … in der Hauptstadt wirkten die Zerstörungen auf mich gar nicht so schlimm. Einige große Häuser waren zusammengebrochen, aber viel übler hat es die Täler in den Bergen erwischt. Einige Dörfer waren einfach weg. Wenn du dort bist, um zu helfen, hast du aber gar nicht viel Zeit, darüber nachzudenken, was du siehst. Du packst einfach mit an. Realisiert habe ich das alles erst nach meiner Rückkehr nach Europa. Da wird einem dann klar, dass die Probleme, die wir in Europa haben, nichts sind im Vergleich zu dem, was Nepal nach dem Beben durchgemacht hat. INDI A N EPAL LANGT ANG KATHMANDU Das Langtang-Tal im Nordosten Nepals war eine der am schlimmsten getroffenen Gegenden. Eine durch das Erdbeben ausgelöste Lawine aus Eis, Schnee und Gestein vergrub das Dorf Langtang. Die Stoß- und Druckwelle löste einen großflächigen Schaden in den benachbarten Dörfern aus. Mehr als 300 Menschen vorloren an diesem Tag ihr Leben. Langtang ist mit jährlich mehr als 15.000 Besuchern eine der beliebtesten Wandergegenden im Land und bietet für Neulinge guten Zugang zum Himalaya. Nach dem Erdbeben wurde das Tal von der Außenwelt abgeschnitten. LAUFEN.DE ——— 025 022-027_laufen.de_mag_2016_03_jornet.indd 25 27.04.2016 15:57:13

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# 05 | 2016 September/Oktober