LAUFEN.DE ALS E-MAG JETZT KOSTENLOS LESEN

Aufrufe
vor 1 Jahr

# 03 | 2016 Mai/Juni

  • Text
  • Laufen
  • Kilometer
  • Sparen
  • Sommer
  • Vitamin
  • Bier
  • Wasser
  • Kilian
  • Marathon
  • Schuh

GESUNDHEIT & ERNÄHRUNG

GESUNDHEIT & ERNÄHRUNG DAS GEHEIMNIS DER VIELESSER Die einen können essen, was sie wollen, und nehmen nicht zu. Bei den anderen setzt jede Kalorie an. Zu welcher Gruppe du gehörst, ist zum größten Teil genetisch bedingt. Verantwortlich ist ein Enzym: Calcineurin. Wie es wirkt und dass es auch die Ausdauer beim Sport entscheidend beeinflusst, haben jetzt Forscher aus München herausgefunden. Sicher kennst du ein paar dieser Leute, die ständig hungrig sind, die größten Kalorienbomben vertilgen können und trotzdem gertenschlank bleiben. Du dagegen hast manchmal das Gefühl, dass schon der Gedanke ans Essen den Zeiger der Waage in die Höhe schnellen lässt. Die Ursachen dafür, weshalb manche viel essen können und nicht dick werden, waren bisher nicht wirklich geklärt. Jetzt sind Wissenschaftler des Münchner Helmholtz-Zentrums bei der Ursachensuche einen großen Schritt weitergekommen: Es könnte am Calcineurin liegen. Das Enzym war bisher eher für seine Rolle im Immunsystem bekannt. Den neuen Erkenntnissen zufolge hat Calcineurin aber auch im Energiestoffwechsel eine wichtige Funktion. Punktgenau auf den aktuellen Energiebedarf abgestimmt, reguliert Calcineurin den Auf- und Abbau winziger Tunnelverbindungen zwischen den einzelnen Mitochondrien in einer Muskelzelle. Die Mitochondrien sind die Kraftwerke in den Körperzellen des Menschen. Dort wird aus Kohlenhydraten und Fetten die Energie gewonnen, die der Körper zum Leben braucht. Die Entdeckung dieses Netzwerkes ist die eigentliche Leistung der Münchner Forscher. Bislang war man davon ausgegangen, dass lediglich die Zahl der Mitochondrien pro Muskelzelle durch Ausdauertraining gesteigert wird. Durch die höhere Zahl dieser „Zellkraftwerke“ kann der Körper effizienter Energie aus Fetten und Kohlenhydraten gewinnen. Training sorgt dafür, dass ihre Anzahl wächst und die Prozesse der Energiegewinnung in ihnen effektiver ablaufen. Jetzt ist aber klar, dass die Arbeit der Mitochondrien auch über den Grad ihrer Vernetzung reguliert wird. Demnach ist nicht nur die Anzahl der Mitochondrien, sondern besonders der Grad ihrer Vernetzung für die Energiegewinnung entscheidend ist. Der Organismus passt seinen Energiehaushalt permanent an das aktuelle Nahrungsangebot und die momentane körperliche Aktivität an. Wird Energie benötigt, wird die Mitochondrienvernetzung forciert. In den Zellen wird mehr Energie produziert. Besteht ein Energieüberschuss, weil Blutzuckerspiegel, Glykogenspeicher und Fettsäuren im Blut auf einem hohen Niveau sind, werden die Verbindungen gelöst. Wie gut dieser Regulationsmechanismus funktioniert, scheint in erheblichen Maße genetisch festgelegt, aber auch über Lebensstilfaktoren beeinflussbar zu sein. Ist der Prozess gestört, können sich längerfristig Stoffwechselerkrankungen wie Adipositas und Diabetes entwickeln. Und eben für diese Regulation scheint Calcineurin eine Schlüsselrolle innezuhaben. Je nach aktuellem Energiebedarf vernetzt es die Mitochondrien in den Muskelzellen durch den Auf- und Abbau wenige Zehntausendstel Millimeter dicker „Nanotunnel“ miteinander und optimiert auf diese Weise den Energiestoffwechsel. Allerdings scheint dieser Mechanismus nicht bei jedem gleich gut zu arbeiten. Der eine Stoffwechsel arbeitet ökonomischer – der andere weniger. Und genau in diesem Punkt könnte ein Geheimnis für ausdauernde Spitzenleistungen liegen. Vermutlich arbeiten die Calcineurin-Systeme der besten Langstreckenläufer wie Haile Gebrselassie, Mo Farah oder Arne Gabius zuverlässiger als die vieler „Otto Normaljogger“. Allerdings scheint Calcineurin nicht nur die Ausdauerleistungsfähigkeit zu verbessern, sondern gleichzeitig die Neigung zu Fettpolstern zu unterstützen. Das klingt paradox, aber die Münchner Forscher haben bei Versuchen mit Fliegen und ——— 044 GESUNDHEIT & ERNÄHRUNG GE 044-045_laufen.de_mag_2016_03_mitochondrien.indd 44 28.04.2016 11:06:13

Dünn, extrem schnell und ausdauernd: Das ist Mo Farah, Olympiasieger über 5000 und 10.000 Meter. Der Brite, der aus Somalia stammt, verdankt das wahrscheinlich auch einem sehr gut funktionierende Enzym Calcineurin, das ihm vererbt wurde Mäusen Hinweise darauf gefunden. Bei diesen Tieren scheint die im Organismus kursierende Calcineurin-Menge mit der Neigung, voluminöse Fettdepots anzulegen, in Verbindung zu stehen. Auch unter Fliegen und Mäusen gibt es Individuen, die essen können, was sie wollen, und trotzdem ganz schlank bleiben. Die Münchner Forscher haben das Erbgut der „schlanken Vielfraße“ analysiert und als gemeinsames Merkmal eine sehr niedrige Calcineurin-Produktion identifiziert. Offensichtlich verfügen Tiere, die auch bei hochkalorischer Nahrung ein geringeres Gewicht behalten, kaum Fett ansetzen sowie eine erhöhte Stoffwechselrate aufweisen, über eine besondere genetische Konstellation, die den Calcineurin-Spiegel auf einem niedrigen Level hält. Evolutionsbiologisch spricht vieles dafür, dass dieser Zusammenhang zwischen niedrigem Calcineurin-Spiegel und geringer Fettspeichertendenz auch für den menschlichen Organismus gilt. Medikamente, welche den Calcineurin-Spiegel niedrig halten, werden gerade als Adipositas-Therapie getestet – allerdings erschweren erhebliche Nebenwirkungen den Erfolg. Offensichtlich ist die Feinjustierung des Calcineurin-Haushaltes der Schlüssel für effiziente Energieversorgung einerseits und geringe Fettansatztendenz andererseits. Es muss also auf der einen Seite genügend Calcineurin hergestellt werden, um die für die Energiebereitstellung so wichtige Mitochondrienvernetzung zu regulieren. Auf der anderen Seite sollte der Calcineurin-Spiegel möglichst niedrig gehalten werden, um die Fetteinlagerung nicht zu befeuern. Wie dies im Detail funktioniert, gilt es noch zu erforschen. Fest steht nur: Zum megaschlanken, energieeffizienten Spitzenläufer braucht es eine besondere genetische Konstellation. Und: Es liegt nicht unbedingt am zu reichlichen Essen oder zu wenig Training, wenn man zu viele Fettpolster mit sich herumschleppt. Das Enzym Calcineurin und das von ihm regulierte Netzwerk der Zellkraftwerke scheinen von zentraler Bedeutung, wenn es um den idealen Marathonkörper und langen Atem geht. Da ist viel Genetik im Spiel. Zum Spitzenläufer braucht man eben auch die besondere Vernetzung – nicht virtuell, sondern mitochondrial. Foto: Nike, medical-pictures.de MITOCHONDRIEN Die Kraftwerke in deinen Zellen sorgen dafür, dass du laufen kannst! Mitochondrien gehören als von einer Membran umschlossene Organellen zu unseren Zellen. Sie werden auch als „Zellkraftwerke“ bezeichnet, weil in ihnen Kohlenhydrate und Fette in Energie umgewandelt werden. Bei der sogenannten „Zellatmung“ wird Energie frei, die dann für den Aufbau von ATP (Adenosintriphosphat) genutzt wird. ATP ist der Energieträger des Körpers, der für jede Muskelkontraktion benötigt wird und ohne den kein Leben, geschweige denn intensive Bewegung wie beim Laufen möglich wird. Während man bislang annahm, dass lediglich die Anzahl der Mitochondrien und die Qualität der in ihnen ablaufenden Prozesse für die Laufleistung entscheidend seien, haben Forscher in München jetzt herausgefunden, dass die einzelnen Mitochondrien in den Zellen durch eine netzartige Struktur miteinander verbunden sind. Dieses Netzwerk beeinflusst die Qualität des Energiestoffwechsels und damit die Ausdauerleistungsfähigkeit. Gesteuert werden diese Prozesse von dem Hormon Calcineurin, das auch dafür sorgt, dass überschüssige Energie in Form von Fettdepots gespeichert wird. „NEUE MEDIKAMENTE GEGEN FETTLEIBIGKEIT MIT ERHEBLICHEN NEBENWIRKUNGEN“ LAUFEN.DE ——— 045 044-045_laufen.de_mag_2016_03_mitochondrien.indd 45 28.04.2016 11:06:18

DU LIEST LIEBER GEDRUCKT? LASS DIR DAS NEUE HEFT SOFORT NACH HAUSE SCHICKEN!

UND NIMM EINE STARKE ABO-PRÄMIE MIT!

EIN 160 SEITEN STARKES LAUFBUCH

ODER

EIN BUFF-TUCH IN BLAU ODER BROMBEER

ODER

TOP-LAUF­SOCKEN IM RINGELLOOK

laufen.de

Wer jetzt neu ein Abo für laufen.de – das Magazin abschließt, hat alle zwei Monate die neueste Ausgabe sofort im Briefkasten. Abonnenten erhalten das gedruckte Heft vier Wochen, bevor das E-Paper veröffentlicht wird. Wenn du jetzt hier dein Abo bestellst, erhältst du eine tolle Prämie kostenlos dazu. Du kannst wählen: Entweder du schließt ein Jahres-Abo (6 Ausgaben für 26,40 Euro) ab und erhältst das „Große Fitness-Laufbuch“ von Sabrina Mockenhaupt, das du hier probelesen kannst, kostenlos dazu. Oder du abonnierst laufen.de für ein halbes Jahr (3 Ausgaben; 13,20 Euro) und kannst dich zwischen einem praktischen Buff-Tuch oder hochwertigen Laufsocken von Wrightsock entscheiden. Nach deiner Bestellung schicken wir dir umgehend die aktuelle Ausgabe mit der von dir gewählten Prämie zu.

LAUFEN.DE – DAS E-MAGAZIN:
HIER ALLE AUSGABEN KOSTENLOS LESEN

laufen.de - das Magazin

Die Juli-Ausgabe gratis lesen
Die Juni-Ausgabe gratis lesen
Die Frühjahrs-Ausgabe gratis lesen
Diese Ausgabe jetzt gratis lesen
Die Winter-Ausgabe gratis lesen!
# 05 | 2016 September/Oktober