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# 05 | 2017 September/Oktober

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Von Küste zu Küste,

Von Küste zu Küste, von Burg zu Burg. Das war der Weg, den Mitte Juni vier Läufer aus dem Asics Frontrunner-Team quer durch Schweden nahmen. Vom 800 Jahre alten Schloss Kalmar an der Ostseeküste bis zur Festung Varberg südlich von Göteborg an der Nordseeküste. Schloss Kalmar spielt in der schwedischen Geschichte eine wichtige Rolle: Denn nur wenige Kilometer südlich verlief früher die Grenze zu Dänemark. Es hieß, das Schloss sei der Schlüssel zum Reich. Und genau hier startete das Projekt von Andrea Diethers, Jan Erik-Kruse, Thomas Pickelner und Judith Havers. Zehn Marathonläufe an zehn Tagen im schwedischen Mittsommer hatten sie sich vorgenommen. Übernachtet wurde in Hotels, Motels oder bei Privatleuten. Alles, was unterwegs gebraucht wurde, hatten die vier im Rucksack dabei. Plus die Tagesverpflegung – bestehend aus Wasser, Energieriegeln und was man sonst noch so gern isst auf einem langen Lauf. Und eine war besonders aufgeregt: Judith Havers. Die Hamburgerin hat zwar 2016 den Transalpine Run quer über die Alpen gefinisht, aber der Lauf durch Schweden war ihre erste Erfahrung mit solch einem Etappenlauf im Frontrunner-Stil, wie er von Andrea Diethers und Jan-Erik Kruse regelmäßig durchgezogen wird. „Ich wusste ja nicht, wie mein Körper auf den ersten Marathon reagiert und wie sich der nächste Tag anfühlen wird.“ Zumal ihr Alltag in Hamburg ganz anders aussieht. Sie arbeitet bei Google, ist viel am Schreibtisch. „Aber ich bin natürlich auch da viel in Bewegung.“ In der Firma kann sie das Google-eigene Fitnessstudio nutzen. Morgens läuft sie zur Arbeit oder fährt mit dem Rad. „Und im Büro habe ich einen Stehtisch, um nicht zu viel zu sitzen.“ Derart trainiert war ihr in Schweden schon bald klar: Die Sache fühlt sich gut an. Jeden Tag nach dem Frühstück brachen die vier auf, irgendwann zwischen acht und zehn Uhr am Morgen. Nachmittags war dann das Etppenziel erreicht, das die vier mittels GPS-Laufuhren fanden. Und unterwegs war vor allem viel Ruhe. Elche leben in Südschweden, Schlangen haben die vier gesehen, aber richtig vielen Menschen sind sie unterwegs nicht begegnet. „In Städten waren wir gar nicht“, erzählt Judith Havers, „manchmal waren wir sogar in Sorge, dass wir an gar keinen Häusern vorbeikommen, wo wir Wasser bekommen können.“ Denn in Schweden gibt es viel Wasser, aber das kann man nicht immer trinken. Und so machten die Wasservorräte den Großteil des Gewichts aus, das die vier jeden Tag bei ihren Marathons in Rucksäcken auf dem Buckel hatten. Sechs bis acht Kilo Judith Havers und Andrea Diethers fanden auf ihrem Weg durch Schweden jede Menge tolle Plätze ——— 028 LÄUFER & LEUTE LL 026_031_laufen_de_mag_2017_05_schweden.indd 28 17.08.2017 18:41:53

waren das. Neben Verpflegung und Wasser brauchten die vier nicht viel Gepäck. „Die Temperaturen waren angenehm. Kurze Sachen zum Wechseln. Das war‘s“, sagt Judith Havers, zwischendurch konnten die Sachen gewaschen werden. Dieses einfache Leben ist es, was für sie den großen Reiz eines solchen Laufurlaubs ausmacht. „Man läuft einfach und macht sich keine Gedanken – höchstens darüber, was man am Abend leckeres isst.“ Und lecker war das Abendessen immer. Vor allem dann, wenn die vier nicht im Hotel, sondern bei Privatleuten untergekommen sind. „Wir haben herzallerliebste Menschen getroffen“, schwärmt sie von der Gastfreundlichkeit der Schweden. Die hätten perfekt Rücksicht genommen auf die Ernährungsgewohnheiten der vier: Die beiden Mädels essen vegan, die Jungs sind Vegetarier. „Erst waren unsere Gastgeber immer ganz besorgt, was sie uns zu essen machen können. Und dann war es immer super lecker.“ Das Gefühl von Freiheit wurde noch einmal verstärkt durch die schwedische Landschaft und die langen, hellen Tage im schwedischen Mittsommer. Südschweden ist flach. „Das hat mich teilweise ans Emsland erinnert, wo ich aufgewachsen bin“, sagt Judith Havers. Aber die Weite ist dann doch größer in Schweden. Und in den Wäldern leben Elche. „Wir haben jeden Tag darauf gehofft, aber keinen gesehen.“ Dafür Schlangen. Obwohl die ja für Skandinavien nicht gerade typisch sind. Nur drei Arten gibt es dort, eine ist giftig – die auch in Deutschland lebende Kreuzotter. Von ihrer schönsten Seite zeigte sich die schwedische Natur im Nationalpark Store Mosse. Der Weg der Vier führte durch eins der größten Moorgebiete in Schweden. Klares Wasser, Uferbewuchs und Schilfbereiche locken Vogelarten wie Singschwäne, Zwerkschnepfen, Goldregenpfeifer und sogar den seltenen Fischadler an. Dort hätten sie in der Dämmerung außer Elchen auch Füchse, Dachse oder Luchse in deren natürlichen Lebensraum beobachten können. Aber die Dämmerung setzt im Juni in Schweden für Läufer zu spät ein, um dann Tiere zu beobachten. Zu diesem Zeitpunkt waren sie längst in ihren Unterkünften, um sich für den nächsten Tag auszuruhen. Judith Havers hatte sich wegen der hellen Nächte sogar extra eine Schlafbrille für die Tour gekauft – aus Furcht, nachts nicht schlafen zu können. Aber ganz so hell war es dann doch nicht. „Das war mehr wie in Hamburg als wie am Polarkreis“, meint sie, „aber die Sonne ging schon früh auf, so gegen drei Uhr war es hell.“ LAUFEN PUR € 22,90 [D] • ISBN 978-3-667-11055-8 € 24,90 [D] • ISBN 978-3-667-11051-0 € 29,90 [D] • ISBN 978-3-667-11050-3 www.delius-klasing.de/sport Im Handel oder unter 0521 | 55 99 22 026_031_laufen_de_mag_2017_05_schweden.indd 29 17.08.2017 18:41:55

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